Lieferengpässe, Preisanstieg und Fachkräftemangel behindern Konjunkturaufschwung

Standortpolitik | Presse

19.10.2021

Konjunkturumfrage im IHK-Bezirk Leipzig+++ Geschäftslage und Erwartungen auf breiter Front verbessert +++ Personalnachfrage steigt +++ Investitionen im Aufwind +++ Hohe geschäftliche Risiken dämpfen den Ausblick +++

Leipzig, 18. Oktober 2021 – Im Zuge der Aufhebung bzw. Reduzierung der Corona-Beschränkungen hat sich die wirtschaftliche Situation in der regionalen Wirtschaft in den vergangenen Monaten erheblich verbessert. Sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen zeigen nach oben und erreichen den jeweils höchsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Die Erholung ist aktuell in allen Wirtschaftsbereichen erkennbar. Der IHK-Geschäftsklima-Index1 steigt kräftig um 25 auf 126 Punkte. Jedoch nehmen auch die geschäftlichen Risiken zu. Vor allem dauerhafte Lieferengpässe, steigende Preise und der Fachkräftemangel bremsen zunehmend die geschäftliche Entwicklung der Unternehmen aus.

Zu diesem Ergebnis kommt die Konjunkturbefragung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig im Herbst 2021, an der sich 652 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit insgesamt fast 39.000 Beschäftigten beteiligt haben. Die Befragung fand im Zeitraum 6. bis 24. September 2021 statt.

Kristian Kirpal, Präsident der IHK zu Leipzig: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die gewerbliche Wirtschaft in eine ihrer schwersten Krisen gestürzt. Viele Unternehmen konnten nicht oder nur eingeschränkt arbeiten. Mit dem Abbau der Corona-Beschränkungen hat sich die Situation in vielen Branchen nun endlich gebessert. Die wachsende Zuversicht der Unternehmen muss seitens der Politik jetzt dringend mit verlässlichen und stabilen Rahmenbedingungen flankiert werden. Nach der Bundestagswahl sind dazu rasche Koalitionsverhandlungen und eine zügige Regierungsbildung anzumahnen. Von der Bundespolitik werden Entschlossenheit und Zukunftsfähigkeit gefordert, um mit Digitalisierung, Klimaschutz und Fachkräftemangel die wichtigsten Zukunftsthemen der Wirtschaft zu bewältigen. Dafür bedarf es umfangreicher öffentlicher und privater Investitionen. Ebenso müssen Wachstumsbremsen, wie komplexe Regulierungen, langwierige Genehmigungsverfahren und praxisferne Vorgaben endlich abgebaut werden.“

Zahlen und Fakten

Lage: Seit dem Frühjahr 2021 hat sich die Geschäftslage der Unternehmen erwartungsgemäß stark verbessert, da seitdem viele Corona-Beschränkungen aufgehoben wurden. Zwar sind weiterhin Unterschiede im Tempo der wirtschaftlichen Erholung zwischen den Branchen auszumachen, aber insgesamt sind die Vorzeichen eindeutig positiv. Im Ergebnis steigt der Lage-Saldo um 30 auf 38 Prozentpunkte und liegt damit deutlich über dem Vorjahresstand, als die Konjunktur ein kleines Zwischenhoch erreichte. Trotz der Verbesserung haben viele Unternehmen die Auswirkungen der Corona-Krise jedoch noch längst nicht überwunden.

Erwartungen: Deutlich im Aufwärtstrend befinden sich auch die Geschäftserwartungen der Unternehmen. Die Zuversicht ist branchenübergreifend stark angestiegen und basiert auf der Hoffnung, dass es im Zuge des Impffortschrittes keinen erneuten Lockdown geben wird. Der Saldo der Geschäftsaussichten legt um 21 auf +15 Prozentpunkte zu und erreicht bereits wieder das Vor-Corona-Niveau. Dennoch machen den Firmen aktuell eine Vielzahl von Risiken zu schaffen. So behindern Lieferengpässe und stark steigende Rohstoff-, Kraftstoff- und Energiepreise sowie fehlende Fachkräfte den konjunkturellen Aufschwung zunehmend.

Investitionen:Während sich die Investitionsaktivitäten der Unternehmen seit Beginn der Corona-Pandemie vielfach auf ein Minimum beschränkten, zeigen die Planungen im Zuge der verbesserten Geschäftsaussichten wieder nach oben. So klettert der Anteil der Betriebe mit steigenden Investitionsausgaben um sieben auf 26 Prozent, während der Anteil mit sinkendem Investitionsbudget von 16 auf 12 Prozent zurückgeht. Der Saldo von 14 Prozent- punkten erreicht damit bereits das Vor-Krisen-Niveau (Jahresbeginn 2020: 14 Punkte).

Personal: Im Zuge der stark verbesserten Prognosen zeigt nunmehr auch wieder die Personalnachfrage nach oben. Mehr als jedes vierte Unternehmen plant zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Nur noch 10 Prozent gehen von einem Personalrückgang aus. Der Saldo erhöht sich um 10 auf +17 Prozentpunkte. Die Nachfrage steigt derzeit in allen Wirtschaftsbereichen an, so dass die coronabedingte Kurzarbeit weiter zurückgehen dürfte. Dagegen melden die Unternehmen in vielen Branchen bereits große Probleme bei der Besetzung ihrer offenen Stellen. Besonders im Gast-, Bau- und Verkehrsgewerbe fehlen vielerorts Fach- und Arbeitskräfte.

Risiken: Im Zuge der aktuellen konjunkturellen Erholung haben sich die geschäftlichen Risiken deutlich verschoben. Nicht mehr die „Inlandsnachfrage“, sondern der „Fachkräftemangel“ ist nunmehr mit 52 Prozent der meistgenannte Risikofaktor der hiesigen Unternehmen. Die „Arbeitskosten“ belegen mit 45 Prozent weiterhin den zweiten Rang, gleichauf mit der „Entwicklung der Rohstoffpreise“, die in der Bewertung kräftig zugelegt hat und für immer mehr Firmen zum Problem wird. Auch die Relevanz der Faktoren „Entwicklung der Kraftstoff- sowie der Energiepreise“ steigen im Risikoradar der Betriebe seit einem Jahr kontinuierlich an.

Überblick zu den einzelnen Wirtschaftsbereichen

Industrie: Zulieferengpässe und steigende Preise belasten Industriekonjunktur

In den vergangenen Monaten hat sich die Lage der hiesigen Industrieunternehmen weiter verbessert. Bereits die Hälfte der Firmen meldet eine gute Geschäftslage, nur noch 8 Prozent sind unzufrieden. Der Lage-Saldo steigt um weitere 12 auf 42 Prozentpunkte und nähert sich dem Vor-Corona-Niveau.

Im Vergleich zum rasanten Anstieg der Lagebeurteilungen heben die Unternehmen ihre Geschäftsaussichten nur noch minimal an. Der Saldo erhöht sich lediglich um vier auf nunmehr 12 Prozentpunkte. Trotz einer guten Auftragsentwicklung deutet dies auf eine Abschwächung der Wachstumsdynamik hin. Die Ursache dafür ist vordergründig in den nun schon seit Monaten bestehenden Lieferengpässen von Vorprodukten – insbesondere bei Halbleitern (Mikrochips) – zu suchen, die in einigen Industriebranchen bereits zu Produktionseinschränkungen führt. Eine schnelle Lösung dieses Problems ist aktuell nicht in Sicht und eine dämpfende Wirkung auf die Industriekonjunktur wahrscheinlich.

Baugewerbe: Steigende Materialkosten und Lieferprobleme bremsen Bautätigkeit

Die Lage im Baugewerbe wird von den Unternehmen nach wie vor als ausgesprochen gut eingeschätzt. Die Auftragsbücher sind insgesamt gut gefüllt und lassen die Bauwirtschaft weiter expandieren. Auch die Auslastung der Baukapazitäten ist in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen. Der Saldo zur Geschäftslage erreicht 61 Prozentpunkte und behauptet damit mit Abstand seine Spitzenposition unter allen befragten Wirtschafts-bereichen.
Die Geschäftserwartungen der Baubetriebe sind hingegen zurückhaltend. Über 70 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftslage in den kommenden Monaten. Bezüglich der Geschäfts- und Umsatzprognosen halten sich die optimistischen und pessimistischen Stimmen die Waage. Nach wie vor haben die Betriebe mit stark gestiegenen Preisen für Stahl, Holzprodukte und Dämmstoffe zu kämpfen. Ebenso behindern lange Lieferzeiten die Bautätigkeit spürbar. In Folge dessen ziehen die Baupreise auf breiter Front an. Auch der Mangel an Fachkräften wird für immer mehr Firmen zum Problem.

Dienstleistungsgewerbe: Geschäftstätigkeit gewinnt endlich wieder anFahrt

Im Dienstleistungsgewerbe hat sich mit den Lockerungen im Zuge rückläufiger Infektions-zahlen die Situation stark verbessert. Der Aufholprozess ist in vollem Gange. Durch den Wegfall der Corona-Restriktionen können viele Sparten endlich durchstarten. Sowohl die Umsatz- als auch die Auftragsentwicklung zeigen nach oben. Über die Hälfte der Dienstleister meldet bereits wieder eine gute Geschäftslage. Der Lage-Saldo macht einen gewaltigen Sprung von 15 auf 43 Prozentpunkte.
Im Gleichklang mit der Lagebeurteilung haben die Dienstleister auch ihre Geschäfts-prognosen kräftig angehoben. Trotz der aktuell wieder steigenden Corona-Infektionszahlen bleiben die Firmen optimistisch und rechnen mit einer weiterhin positiven Entwicklung. Die Gefahren eines erneutes Lockdowns werden dabei weitestgehend ausgeblendet. Der Prognose-Saldo verlässt den negativen Bereich und klettert um 26 auf 22 Prozentpunkte. Die Zuversicht der Betriebe ist hoch und könnte eine neue expansive Phase einläuten.

Einzelhandel: Nach kräftigem Einbruch mit positiver Entwicklung

Auch für den Einzelhandel hat sich die Situation mit den Lockerungen der Corona-Restriktionen deutlich entspannt. Insbesondere der stationäre Handel konnte nach monatelangen Schließungen seine Geschäfte endlich wieder öffnen und Kunden empfangen. Der kräftige Konsumschub durch die privaten Verbraucher wirkte sich erwartungsgemäß positiv auf die Stimmungslage aus, so dass bereits über die Hälfte der Einzelhändler wieder eine gute Geschäftslage melden.
Der positive Entwicklungstrend dürfte sich nach Meinung der Unternehmen weiter fortsetzen. Auch wenn die Corona-Pandemie noch nicht überwunden ist, wird ein weiterer Lockdown in den Prognosen ausgeschlossen. Nach dem konjunkturellen Absturz gewinnt die Zuversicht immer mehr an Boden. Ein Drittel der Einzelhändler rechnet mit weiter steigenden Umsätzen. Über 60 Prozent gehen von einer Stabilisierung ihrer aktuellen Situation und fast ein Viertel von einer Verbesserung ihrer Lage aus. Der Saldo der Geschäftserwartungen steigt somit deutlich um 20 auf 9 Prozentpunkte und erreicht damit wieder das Vorkrisen-Niveau.

Großhandel: Lieferprobleme und steigende Preise dämpfen Geschäftsausblick

Der Großhandel konnte ebenfalls von der konjunkturellen Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate profitieren. Insbesondere die Aufträge aus dem Gastgewerbe sowie verschiedenen Einzelhandels- und Dienstleistungssparten sind erwartungsgemäß angestiegen bzw. nach der coronabedingten Zwangspause überhaupt erst wieder in Gang gekommen. So sind zuletzt bei der Hälfte der Großhändler die Umsätze gestiegen. Der Lage-Saldo steigt kräftig um 28 auf 26 Prozentpunkte.
Die Geschäftsaussichten der Unternehmen verbessern sich ebenfalls, können jedoch mit dem Anstieg der Lageeinschätzungen nicht mithalten. Der Anteil der Optimisten und Pessimisten halten sich mit jeweils 24 Prozent die Waage. Die Zurückhaltung ist insbesondere dem schwierigen geschäftlichen Umfeld geschuldet. So stellen der nachfrageinduzierte Preisanstieg – insbesondere bei Rohstoffen, Halbwaren und Maschinen – sowie die coronabedingten Verwerfungen in den internationalen Logistikketten viele Großhändler vor immense organisatorische Herausforderungen.

Verkehrs-/Logistikgewerbe: Hoher Kostendruck trübt den Ausblick

Vom kräftigen Konjunkturaufschwung in den vergangenen Monaten konnte auch das hiesige Verkehrs- und Logistikgewerbe profitieren. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Transportkapazitäten zogen sowohl die Auftragseingänge als auch die Umsätze in vielen Unternehmen an. Der Saldo zur Geschäftslage erreicht mit 38 Prozentpunkten den höchsten Stand seit Beginn der Corona-Pandemie.

Die aktuell schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen beeinflussen die Geschäfts-prognosen im Verkehrs- und Logistikgewerbe maßgeblich. Trotz einer steigenden Nachfrage haben die Firmen nach wie vor mit globalen Logistikproblemen und steigenden Kraftstoff-preisen zu kämpfen. Dies hat letztlich auch einen Anstieg der Frachtkosten zur Folge, den fast drei Viertel der Transportunternehmen über Preiserhöhungen an ihre Kunden weitergeben werden. Neben dem Kostenfaktor wird auch der Fachkräftemangel zu einem immer größeren Problem. Daher steigt der Prognose-Saldo nur noch geringfügig von 3 auf 5 Prozentpunkte.

Gast-/Tourismusgewerbe: Mühsam aus dem „Corona-Abgrund“

Die Corona-Maßnahmen hatten verheerende Auswirkungen auf das Gast- und Tourismus-gewerbe. Insgesamt befand sich die Branche fast neun Monate im Lockdown. Dramatische Umsatzrückgänge und „historische“ Verluste waren die Folge. Mit den Lockerungen und der gestiegenen touristischen Nachfrage geht es erst seit wenigen Monaten wieder aufwärts. Aufgrund der äußerst schlechten Ausgangslage ist der Anstieg der Geschäftsindikatoren zwar ausgesprochen hoch, dennoch sind viele Betriebe noch längst nicht über dem Berg.. Der Lage-Saldo liegt mit 4 Prozentpunkten nur knapp im positiven Bereich.

Die Prognosen der Gast- und Tourismusbranche zeigen ebenfalls nach oben. Über die Hälfte der Unternehmen rechnet mit einer weiteren Verbesserung ihrer vielfach noch angespannten Lage. Nur noch 16 Prozent gehen von einer Verschlechterung ihrer geschäftlichen Situation aus. Der Saldo springt um 72 auf 38 Prozentpunkte, eine aufgrund des äußerst niedrigen Ausgangsniveaus sehr starke Aufwärtsbewegung, welche die wachsende Zuversicht der Branche verdeutlicht. Als großes Problem für den Neustart erweist sich aktuell jedoch der Fachkräftemangel, der bereits zu Einschränkungen im Geschäftsbetrieb führt.

Detaillierte Ergebnisse zu den einzelnen Wirtschaftsbereichen sowie gesonderte Auswertungen für die Landkreise Nordsachsen und Leipzig finden Sie online unter: www.leipzig.ihk.de/konjunktur

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