Konjunkturumfrage der sächsischen IHKs im Herbst 2021

Presse

18.10.2021

Stimmung in der sächsischen Wirtschaft deutlich aufgehellt ++ Rücknahme vieler Corona-Beschränkungen und Belebung im Produzierenden Gewerbe wirkten sich positiv aus ++ Material- und Lieferengpässe, steigende Energie-, Roh- und Kraftstoffpreise sowie fehlende Arbeitskräfte behindern kräftige Erholung

Chemnitz/Dresden/Leipzig, 18. Oktober 2021 Sowohl Lage als auch Erwartungen werden besser bewertet. Im Ergebnis steigt der Geschäftsklimaindex der sächsischen Wirtschaft deutlich von 98 Punkten (Frühjahr 2021) auf 122 Punkte. Dank der besseren Einschätzungen in allen Wirtschaftsbereichen erreicht der Wert damit ein neues Zwei-Jahreshoch und übertrifft sogar das Vorkrisenniveau (Jahresbeginn 2020: 120 Punkte; Herbst 2019: 118 Punkte). An der Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern, die im September 2021 durchgeführt wurde, beteiligten sich 1.792 Unternehmen mit ca. 99.000 Beschäftigten.

Mehr als die Hälfte der sächsischen Unternehmen beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage mit „gut“; nur 10 Prozent bewerten ihre Situation mit „schlecht“. Der Lagesaldo springt von 10 auf 42 Punkte. Auch wenn die Corona-Einschränkungen in vielen Branchen noch spürbar sind, werden in allen betrachteten Wirtschaftsbereichen mehr positive als negative Lageeinschätzungen abgegeben.

Trotz der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie blicken viele Unternehmen optimistisch auf die kommenden Monate. 21 Prozent der Befragten erwarten bessere Geschäfte, nur 16 Prozent eine Verschlechterung. Das Erwartungsbarometer weist mit 5 Punkten erstmals seit 2 Jahren ein positives Vorzeichen auf. Angesichts steigender Kosten bleiben jedoch viele Unternehmen zurückhaltend. Größte Risikofaktoren sind der Fachkräftemangel (60 Prozent), gefolgt von den Energie- und Kraftstoffpreisen (58 Prozent) sowie den Rohstoffpreisen (52 Prozent).

Investitionen, Beschäftigung

Die deutlich aufgehellte Stimmung äußert sich auch in einer gesteigerten Investitionsbereitschaft. So beabsichtigt fast jedes vierte Unternehmen, seine Investitionsausgaben zu erhöhen; 42 Prozent möchten ihr Investitionsniveau beibehalten. Damit erreicht das Investitionsbarometer den höchsten Stand seit zwei Jahren.

Gleiches gilt für die Beschäftigungsabsichten. So planen für die kommenden Monate 24 Prozent (Vorumfrage: 15 Prozent) der Betriebe eine Aufstockung und nur noch 14 Prozent (gegenüber 19 Prozent im Frühjahr 2021) eine Reduzierung ihrer Mitarbeiterzahl. Am häufigsten suchen Industrieunternehmen und Dienstleister neue Mitarbeiter. In vielen Unternehmen, insbesondere im Bau, Verkehr und in der Gastronomie, stellen jedoch fehlende Mitarbeiter bereits ein großes Wachstumshemmnis dar.

Die Branchen

Trotz Material- und Lieferengpässen bleibt die Industrie vorerst auf Erholungskurs. Dank der hohen Nachfrage und steigender Auslastungen übertrafen die Industrieumsätze bereits wieder das Vorkrisenniveau. 51 Prozent sind mit ihren aktuellen Geschäften zufrieden, nur 9 Prozent unzufrieden. Beim Blick auf die Geschäftsrisiken wird allerdings klar, dass steigende Rohstoff- und Materialpreise sowie Lieferengpässe einen kräftigeren Aufschwung verhindern.

Das Baugewerbe berichtet erneut von verbesserten Geschäften. Der Lagesaldo steigt auf 59 Punkte (Vorjahr: 55 Punkte) und steht damit an der Spitze der betrachteten Wirtschaftsbereiche. Die Auslastung ist deutlich gestiegen und übertrifft das Vorkrisenniveau. Allerdings spiegelt sich dies in Folge gestiegener Material- und Arbeitskosten weniger deutlich in den Erträgen wider. Anhaltende Materialengpässe und befürchtete rückläufige öffentliche Bauinvestitionen bremsen dagegen indes den Enthusiasmus.

Die Rücknahme vieler Corona-Beschränkungen in den Sommermonaten sowie die Belebung im Produzierenden Gewerbe wirkten sich sehr positiv auf die Geschäfte im Dienstleistungssektor aus. Das Lagebarometer steigt auf 49 Saldopunkte, nach 20 Punkten im Frühjahr. Die Dienstleister blicken positiv auf die nächsten Monate. Während 22 Prozent bessere Geschäfte erwarten, geben nur 11 Prozent der Unternehmen negative Prognosen ab.

Deutlich aufwärts ging es auch im Handel. Die Stimmung verbessert sich im Einzel- und Großhandel spürbar und übertrifft mit 36 bzw. 35 Lagepunkten das Vorjahresniveau. Steigende Preise, mögliche Corona-Beschränkungen und veränderte Kaufgewohnheiten dämpfen jedoch die Erwartungen (-3 bzw. -4 Saldopunkte).

Im Verkehrsgewerbe erreicht der Lagesaldo mit 25 Punkten ebenfalls den positiven Bereich. Auch wenn die Prognosen weniger skeptisch als in den Vorumfragen ausfallen, bleibt der Geschäftsausblick mit -9 Saldopunkten negativ. Steigende Transportkosten, Störungen der Lieferkette, hohe Kraftstoffpreise sowie fehlende Fachkräfte trüben die Prognosen.

Nach der Rücknahme vieler Beschränkungen springt das Lagebarometer im Gastgewerbe/Tourismus in Folge von Nachholeffekten am deutlichsten nach oben. Allerdings bleibt die Branche mit 12 Saldopunkten im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsbereichen zurückhaltend. Fast jedes dritte Unternehmen schreibt weiterhin Verluste. In der Hoffnung auf eine dauerhafte Rücknahme der meisten Corona-Beschränkungen fallen die Geschäftserwartungen mit 17 Punkten im Vergleich am optimistischsten aus. Allerdings wird der Aufholprozess durch den Mangel an Arbeitskräften stark behindert.

 Die vollständige Umfrage kann über den folgenden Link abgerufen werden: Konjunkturumfrage Sachsen Herbst 2021

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