Konjunktur Sachsen: Rückschlag für konjunkturelle Erholung

Presse

11.02.2021

Die zweite Corona Welle mit ihren anhaltenden Beschränkungen unterbricht abrupt die seit dem Ende des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 einsetzende Erholung.

Vor allem kontaktintensive Dienstleister, das Gastgewerbe, die Tourismus-, Freizeit- und Kulturwirtschaft und große Teile des stationären Handels müssen starke und zum Teil existenzgefährdende Rückschläge verkraften, während die Industriekonjunktur im Vergleich zum ersten Lockdown bisher intakt bleibt. Nach dem starken Anstieg im dritten Quartal sinkt der IHK- Geschäftsklimaindex wieder - auf aktuell 94 Punkte. Die Achterbahnfahrt der sächsischen Wirtschaft geht damit weiter. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern, an der sich im Zeitraum vom 10.12.20 bis 15.01.21 2.139 Unternehmen  aus  Industrie,  Baugewerbe,  Einzel-  und  Großhandel, Dienstleistungen, Verkehr  sowie  Gast-  und  Tourismusgewerbe mit  insgesamt mehr  als 105.000 Beschäftigten beteiligt haben.

Die Geschäftslage der sächsischen Unternehmen fällt gegenüber der vorherigen Umfrage im Herbst 2020 deutlich ab. Mit nunmehr sieben Punkten überwiegen im Vergleich zum ersten Lockdown im  Frühjahr 2020 (- 4 Punkte) allerdings noch die  positiven Lageurteile. Die Industrie, die bisher weniger stark durch Lieferengpässe und Grenzschließungen als im ersten Lockdown betroffen ist, stabilisiert dabei die konjunkturelle Entwicklung, ebenso wie das Baugewerbe mit der deutlich besten Lagebewertung unter allen Wirtschaftsbereichen.

Die Folgen der Corona-Pandemie haben die sächsische Wirtschaft weiterhin voll im Griff. Rund jedes sechste befragte Unternehmen musste seinen Geschäftsbetrieb temporär einstellen. 40 Prozent  mussten eine geringere  Nachfrage  nach  ihren  Produkten  oder Dienstleistungen in Folge der Pandemie verkraften, nur jedes zehnte Unternehmen konnte ein Umsatzplus erzielen. Am häufigsten sind die Unternehmen von Personalausfällen durch Krankheit, Quarantäne oder Kinderbetreuung (53 %) betroffen. Darüber hinaus behindern Reiseeinschränkungen und rückläufige Kundenfrequenzen die Geschäftstätigkeit (jeweils fast 40 %).  Einschränkungen   bei   Geschäftsreisen   und   unterbrochene   Absatzwege   sind insbesondere für international tätige Unternehmen höchst problematisch.

Die Einschränkungen wirken sich unmittelbar auf die Ertragslage und die Finanzsituation der Unternehmen aus. Bei der Hälfte der Unternehmen verschlechterte sich die finanzielle Situation. Mit 30 Prozent schreiben drei Mal mehr Unternehmen als im Vorjahr Verluste. Viele müssen Eigenkapitalrückgänge (30 %) und Forderungsausfälle (12 %) verkraften, fast jedes fünfte Unternehmen meldet Liquiditätsengpässe. Bei sechs Prozent droht eine Insolvenz. Von diesen existenziellen Problemen sind am häufigsten das Gast- und Tourismusgewerbe (18 %), personennahe Dienstleistungen (14 %), der Einzelhandel (in einzelnen Sparten bis zu 20 %) und der Personenverkehr (12 %) betroffen.

Die Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen sind allgegenwärtig. Die Geschäftserwartungen trüben sich in allen Wirtschaftsbereichen ein. Es überwiegen mit -17 Punkten durchweg skeptische Prognosen. Die Erholung der Wirtschaft dürfte somit deutlich länger dauern als zunächst erwartet und wird sich wohl erst mit Aufhebung der aktuellen Einschränkungen fortsetzen.

Investitionen, Beschäftigung, Risiken                                                                                     

Bereits jedes vierte Unternehmen verringerte seine Investitionen im Verlauf der Pandemie. Das weitere Investitionsengagement gibt vor dem Hintergrund der großen Unsicherheiten weiter nach. Fast die Hälfte plant mit geringeren Investitionsbudgets oder fährt ihre Investitionen komplett zurück. Vor allem die stark von Schließungen betroffenen Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen korrigieren ihre Investitionsplanungen nach unten.

Auch am Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen der Corona-Krise spürbar: Trotz vielfach genutzter Kurzarbeit (36 % der Befragten) stiegen zuletzt die Arbeitslosenzahlen in Sachsen an. Die Unternehmen planen in den nächsten Monaten vorrangig mit stabilen Mitarbeiterzahlen (66 %). 16 Prozent beabsichtigen Neueinstellungen, 18 Prozent vermindern ihren Personalbestand. Das Beschäftigungsbarometer bleibt mit -2 Saldopunkten relativ stabil, so dass – ähnlich wie im Sommer 2020 – mit dem Ende der Corona- Einschränkungen wieder mit einem Beschäftigungsaufbau zu rechnen ist. Aktuell ist die Personalnachfrage bei den Dienstleistern und im Großhandel am stärksten. Insbesondere im Bau und im IT-Sektor behindern Fachkräfteengpässe nach wie vor Neueinstellungen.

Die Geschäftsrisiken werden weiterhin von den Einschränkungen in Folge der Pandemie dominiert.   Mit   steigender   Tendenz   stehen   die   Inlandsnachfrage   (54 %)   und   die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen  (48 %)  ganz  oben.  Noch  immer  drohende Grenzschließungen und Einschränkungen beim Grenzübertritt, insbesondere aus der Tschechischen Republik, hemmen die Aktivitäten in Teilen der sächsischen Wirtschaft zusätzlich. Auch der schleppende Impfstart verunsichert die Unternehmen.

Die Branchen                                                                                                                              

Aktuell stabilisieren die intakte Industriekonjunktur, der Bau sowie der Groß- und Versandhandel die Wirtschaftslage, während kontaktintensive Dienstleister, das Gastgewerbe und weite Teile des Handels sehr stark von den Einschränkungen betroffen sind.

Die sächsische Industrie bleibt auf Erholungskurs. Der Saldo der Geschäftslage stieg nach dem Einbruch im Frühjahr kontinuierlich auf aktuell +17 Punkte, nach 25 Saldopunkten im Vorjahr. Damit erreicht die Industrie jedoch noch nicht das Vorkrisenniveau. Die weitere konjunkturelle Entwicklung hängt stark von den Einschränkungen der Corona-Krise im In- und Ausland ab.

Die Lage im sächsischen Bauhauptgewerbe bleibt trotz Einschränkungen durch die Pandemie stabil. Die Auslastung liegt mit rund 84 Prozent drei Punkte unter dem Vorjahreswert. Allerdings überwiegen bei rückläufigen Auftragseingängen, insbesondere aus dem öffentlichen Sektor, die skeptischen Prognosen für die nächsten Monate.

Nach der Erholung im dritten Quartal 2020 dominiert die Corona-Pandemie wieder das Dienstleistungsgewerbe. Generell machen rückläufige Kundenfrequenzen und eine geringere Nachfrage den Unternehmen zu schaffen. Insbesondere personennahe Dienstleistungsbereiche leiden unter den seit November bzw. seit Mitte Dezember erneut veranlassten Einschränkungen und Tätigkeitsverboten. Das Gaststätten- und Tourismusgewerbe sowie die personennahen Dienstleister sind von den existenziellen Problemen am stärksten betroffen.

Nach einer kräftigen Erholung im Sommer und Herbst sackt die Stimmung im Einzelhandel im zweiten Lockdown auf das Niveau des Frühjahres 2020 ab. Die Schließungen vieler Geschäfte ab Mitte Dezember ruinierten einen großen Teil des wichtigen Weihnachts- und Jahresendgeschäfts 2020. Vor allem der für die Innenstädte relevante Handel mit Bekleidung und Schuhen, aber auch der Blumen- und Bücherhandel, musste 2020 starke Umsatzrückgänge verkraften. Rund die Hälfte der befragten Einzelhändler verkaufen ihre Produkte über digitale Vertriebskanäle, um zumindest etwas vom stark wachsenden Online- Geschäft zu profitieren. Meist konnte damit jedoch nur ein Teil der Umsatzverluste während der Geschäftsschließungen kompensiert werden.

Die Geschäftslage im sächsischen Großhandel verbesserte sich nach dem Einbruch im Frühjahr kontinuierlich und übertrifft aktuell sogar das Vorjahresniveau. Vor dem Hintergrund der anhaltenden wirtschaftlichen Einschränkungen und der zunehmenden Verunsicherungen in Industrie und Bau nehmen die Geschäftserwartungen der Großhändler allerdings ebenfalls ab.

Die zweite Welle mit erneutem Lockdown würgt den Neustart aus den Sommermonaten im sächsischen Verkehrsgewerbe ab. Die Stimmung liegt besonders im Bereich Personenbeförderung am Boden. Busreiseanbieter, Taxen, Passagierflugverkehr aber auch der ÖPNV schreiben massive Verluste – eine Entspannung ist dort kurzfristig nicht absehbar. Neben den sinkenden Auftragseingängen und ausbleibenden Buchungen bzw. Auslastungen verhagelt zusätzlich die CO2-Steuer mit anziehenden Kraftstoffpreisen die Geschäftsprognosen im Verkehrssektor.

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