IHK-Verkehrsstudie: Handlungsbedarf beim Ausbau des Leipziger Straßennetzes

Presse | Standortpolitik

23.03.2017

Die Ergebnisse einer aktuellen IHK-Verkehrsstudie zeigen, dass in der wachsenden Stadt Leipzig das Straßennetz zwangsläufig ausgebaut werden muss, um einen funktionierenden Wirtschaftsverkehr zu gewährleisten.

Erarbeitet haben die "Studie zur Organisation des Stadtverkehrs in Leipzig unter Besonderer Beachtung des Wirtschaftsverkehrs" das Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme (IVAS) Dresden und SSP Consult im Auftrag der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig.

Ergebnisse I: Datengrundlage

59 Prozent aller Kfz-Fahrten im gesamten Stadtgebiet Leipzig haben einen wirtschaftlichen Hintergrund. 31 Prozent sind Wirtschaftsverkehr (Güterverkehr, Personenwirtschaftsverkehr) und 28 Prozent dem Berufsverkehr zuzuordnen. Mit Blick auf die wichtigen Leipziger Ein- und Ausfallstraßen erhöht sich der Anteil der Kfz-Fahrten mit wirtschaftlichem Hintergrund auf 76 Prozent (27 Prozent Wirtschaftsverkehr, 49 Prozent Berufsverkehr). Diese Werte beruhen unter anderem auf einer Verkehrsbefragung von über 20 500 Fahrzeugführern, die im Rahmen der Verkehrsstudie im Juni 2016 durchgeführt wurde.

Zudem wurde eine Unternehmensbefragung mit 775 Teilnehmern durchgeführt. Im Ergebnis sehen 57 Prozent bereits heute große Probleme bei der Leistungs- und Aufnahmefähigkeit der Straßen. Das lässt aus Sicht des Wirtschaftsverkehrs schon jetzt auf eine zu geringe Leistungsfähigkeit der Straßeninfrastruktur schließen.

Ergebnisse II: Entwicklung und Handlungsbedarfe

Leipzig wächst: Auf Grundlage der Bevölkerungsprognose der Stadt Leipzig kann die Stadt bis zum Jahr 2030 auf 722 000 Einwohner wachsen. Voraussetzung für dieses Bevölkerungswachstum ist laut Studie der Zuwachs an Arbeitsplätzen um 25 Prozent auf 405 000 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2030.

Neue Arbeitsplätze werden dabei vor allem im Leipziger Randbereich entlang der Autobahnen entstehen. Das Bevölkerungswachstum wird sich dagegen auf die Innenstadt und die innenstadtnahen Stadtteile konzentrieren.

Die erwartete Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Arbeitsplatzentwicklung führt zu deutlich mehr Wirtschafts- und Personenverkehr. Deshalb nehmen in allen untersuchten Szenarien die Verkehrsmengen im Hauptverkehrsstraßennetz zu. Das bedeutet für den Pkw-Verkehr eine Zunahme um bis zu 34 Prozent und beim Lkw-Verkehr um bis zu 32 Prozent.

Kristian Kirpal, Präsident der IHK zu Leipzig: „Mit dem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum der Stadt Leipzig wird auch der Verkehr deutlich zunehmen. Um die Verkehrsinfrastruktur den zukünftigen Gegebenheiten anzupassen und einen funktionierenden Wirtschaftsverkehr sicherzustellen sind mutige Entscheidungen gefragt und ein Ausbau des Straßennetzes unabdingbar. Wir werden die Stadt bei der weiteren Verkehrsplanung mit unserer Expertise unterstützen und die Anforderungen der Wirtschaft einbringen.“

Abgeleitete Forderungen der Wirtschaft auf Grundlage der Verkehrsstudie sind:

Bedarfsgerechte Infrastruktur- und Netzentwicklung:

  • zügige Umsetzung des 6-streifigen Ausbaus der BAB 14 zwischen der Anschlussstelle Leipzig-Ost und dem Autobahndreieck Parthenaue sowie der Fertigstellung der BAB 72.
  • mittelfristige Planung und Realisierung des weiteren Ausbaus des Ringe- und Tangentensystems zur Entlastung des Innenstadtringes.

An der Leistungsfähigkeit der Straßen ausgerichtete Verkehrsraumgestaltung:

  • sofortigen Stopp geplanter Maßnahmen zur verkehrsräumlichen Einschränkung für den Kfz-Verkehr in Hauptverkehrsstraßen (z. B. Georg-Schwarz-Str., Georg-Schumann-Str.)
  • Beseitigung der in Hauptverkehrsstraßen bereits vollzogenen Verkehrsraumeinschränkungen für den Kfz-Verkehr (vor allem in der Georg-Schumann-Straße und der Delitzscher Straße).
  • Verlagerung des Radverkehrs auf parallel zu Hauptverkehrsstraßen verlaufende, konfliktärmere Routen (z. B. Möckernsche Str./Kirschbergstr., William-Zipperer-Str.)

Verbesserte Verkehrslenkung  und ordnungsrechtliche Regulierung:

  • Optimierung der Verkehrsleitsysteme
  • Definition und Ausweisung eines LKW-Führungsnetzes (wie im STEP Verkehr und öffentlicher Raum der Stadt Leipzig 2025 bereits vorgesehen)
  • Besser koordiniertes Baustellenmanagement 
  • Einrichtung von ausreichend bemessenen und eindeutig gekennzeichneten Lade- und Lieferzonen zu Ver- und Entsorgung an Aufkommensschwerpunkten
  • Evaluierung des Stellplatz- und Flächenbedarfs für Dienstleistungsverkehre

Abgestimmte Raum- und Standortplanung durch:

  • Bewertung der bestehenden und vorgesehenen Industrie-/Gewerbestandorte
    (wie z. B. Nord-/Nordwestraum Leipzig, Gewerbeband Eutritzsch/Mockau, Altindustrieflächen im Stadtteil Alt-West und Heiterblick/Paunsdorf)
    hinsichtlich ihrer zukünftigen verkehrlichen Erreichbarkeit insbesondere
    durch den Wirtschafts- und Berufsverkehr
  • Ausrichtung der Ansiedlungspolitik auf verkehrlich geeignete Standorte für industrielle Nutzung, überregionale Logistik, intermodale Verknüpfungspunkte und mit guter ÖPNV-Anbindung für arbeitsplatzintensive Betriebe (z. B. Lindenthal/Radefeld)
  • Herstellung leistungsfähiger ÖPNV-/SPNV-Anbindungen (Tram, S-Bahn) der arbeitsplatzintensiven Gewerbe- und Industriestandorte im Norden und im Süden (Einzugsbereich BAB 72 und 38 der Stadt)

Hintergrund:

Um den Herausforderungen der Stadt- und Verkehrsentwicklung gerecht zu werden, hat die Stadt Leipzig im Juni 2015 einen Stadtentwicklungsplan Verkehr und öffentlicher Raum (STEP 2025) beschlossen. Um eine aktuelle und belastbare Datengrundlage zum Wirtschaftsverkehr zu gewinnen und damit seine Bedeutung und seine Anforderungen zu eruieren, wurde von der IHK zu Leipzig eine Studie dazu beauftragt. In Abstimmung mit der Stadt Leipzig sollen die Studienergebnisse in die Evaluierung des STEP Verkehr einfließen.

Ansprechpartner

Foto von Dr. Gert Ziener - Abteilungsleiter Wirtschafts- und Bildungspolitik
Geschäftsführer Grundsatzfragen

Dr. Gert Ziener

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