IHK-Umfrage „Ausbildung 2014“: Noch weniger geeignete Bewerber

Aus- und Weiterbildung | Presse

25.08.2014

Die IHK zu Leipzig beteiligte sich in diesem Jahr erneut an der bundesweiten Unternehmensbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zum Thema Ausbildung. Vom 21. Mai bis 13. Juni äußerten sich im IHK-Bezirk Leipzig 99 Unternehmen zu ihren Ausbildungsplänen und -motiven.

„Der Stellenwert der Ausbildung als wirksames Mittel, den Fachkräftebedarf im eigenen Unternehmen zu sichern, ist nochmals gestiegen. Die Auswirkungen des Bewerbermangels bekommen noch mehr Unternehmen noch deutlicher zu spüren“, fasst Rita Fleischer, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Leipzig, die regionalen Ergebnisse der Umfrage zusammen. „Entsprechend haben die Unternehmen bei ihren Maßnahmen, um auf den Bewerbermangel zu reagieren, im Vergleich zum Vorjahr eine Schippe draufgelegt. Ein gutes Zeichen: Obwohl immer noch zu hoch, ist der Anteil der Unternehmen, die bei den Jugendlichen unklare Berufsvorstellungen als Ausbildungshemmnis bemängeln, zurückgegangen. Die vielfältigen Berufsorientierungsmaßnahmen der regionalen Bildungsakteure scheinen zu fruchten. Ein guter Weg, den wir weiter konsequent gemeinsam im Sinne der dualen Berufsausbildung gehen müssen.“

Umfrageergebnisse der 99 teilnehmenden Unternehmen im IHK-Bezirk Leipzig  

Ausbildungsbereitschaft auf hohem Niveau konstant

Die Bereitschaft der Unternehmen, weiterhin mehr Ausbildungsplätze anzubieten, ist den Antworten der 99 teilnehmenden Betriebe zufolge größer geworden. 21,1% dieser Betriebe wollen „mehr ausbilden“ [Vorjahr: 13,7%]. 57,9% der Unternehmen halten ihr Ausbildungsengagement aufrecht. [Vorjahr: 65,2%]. Insgesamt halten 79,0% ihr Ausbildungsengagement aufrecht oder steigern es.  

Hauptgrund für Ausbildung:Fachkräftesicherung 

Für 94,9% der antwortenden Unternehmen ist das Hauptmotiv die Sicherung gut ausgebildeter Fachkräfte. Bei mehr als der Hälfte (54,1%) hat die Ausbildung Tradition und fast ebenso viele Unternehmen (51,0%) wollen mit der Ausbildung einen Beitrag für die Gesellschaft leisten.  

Nichteignung der Bewerber verhindert Besetzung von Ausbildungsplätzen

Nur 58,9% [Vorjahr: 68,4%] der antwortenden Unternehmen konnten alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Fast alle dieser Unternehmen (90,9%) [Vorjahr: 67,4%] gaben als Grund das Fehlen geeigneter Bewerbungen an. Bei 18,2% [Vorjahr: 16,3%] der Unternehmen lag der Grund für die Nichtbesetzung darin, dass der Ausbildungsplatz von den Auszubildenden nicht angetreten wurde.   

Zunehmende Reaktionen auf sinkende Bewerberzahlen: mehr Praktika, Erschließung neuer Bewerbergruppen, verbessertes Ausbildungsmarketing

  • Fast 2/3 der Unternehmen (60,4%), die sich an der Umfrage beteiligten, registriert rückläufige Bewerberzahlen und sieht Handlungsbedarf. 
  • 60,3% der Unternehmen [Vorjahr: 38,1%] reagiert bei der Gewinnung von Auszubildenden auf die rückläufigen Bewerberzahlen mit dem Anbieten von Praktikumsplätzen.
  • Verdoppelt hat sich laut Umfrage der Anteil der Unternehmen – von 24,5% im Vorjahr auf aktuell 50,0% - die angeben, durch die Erschließung neuer Bewerbergruppen (z.B. Studienabbrecher) auf die zurückgegangenen Bewerberzahlen zu reagieren.
  • In einem verbesserten Ausbildungsmarketing sehen 44,8% der antwortenden Unternehmen [Vorjahr: 29,0%] eine Möglichkeit, den rückläufigen Bewerberzahlen entgegenzuwirken.
  • Zugenommen hat der Anteil der Unternehmen (29,3%), die mit einer verstärkten Kooperation mit den Schulen auf die rückläufigen Bewerberzahlen reagieren [Vorjahr: 21,3%].  

Größte Ausbildungshemmnisse bleiben: Mangelnde Ausbildungsreife und unklare Berufsvorstellungen der Schulabgänger

Mehr als die Hälfte der Unternehmen (54,8%) [Vorjahr: 49,7%] stellt in der Befragung Ausbildungshemmnisse fest. Das größte Hindernis ist und bleibt für 84,0% [Vorjahr: 82,1%] dieser Betriebe die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger. Die Mehrheit (58,0%) gibt an, dass die Schulabgänger zu unklare Berufsvorstellungen haben. Im Vorjahr waren es allerdings sogar 70,5%. 28,0% der antwortenden Unternehmen leidet darunter, dass sich die Auszubildenden trotz Übernahmeangebotes für einen anderen Betrieb oder Bildungsweg entscheiden. Was die Ausbildungsreife der Schulabgänger betrifft, stellen die 99 Unternehmen insbesondere bei Leistungsbereitschaft und Motivation (57,1%), beim mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen (51,0%), bei Belastbarkeit (49,0%) und Disziplin (45,9%) Mängel fest.  

Eignung der Jugendlichen – Bewerbungsgespräch ist entscheidend

Fast alle antwortenden Unternehmen (99,0%) geben an, die Eignung von Jugendlichen für den Betrieb über Bewerbungsgespräche festzustellen. Für drei Viertel von ihnen spielen die Schulzeugnisse in die Entscheidung hinein und für mehr als zwei Drittel (68,0%) sind Praktika der Weg, die potenzielle Eignung von Jugendlichen festzustellen.            

Übernahmebereitschaft hoch

66,0% der an der Befragung teilnehmenden Unternehmen planen, 2014 voraussichtlich alle Auszubildenden zu übernehmen. Über dem Durchschnitt liegen Unternehmen aus Verkehr/Transport/Logistik (83,3%), Industrie (72,2%) und Banken/Versicherungen (71,4%).   Verantwortung von Eltern und Schule bei Wertevermittlung und Berufsorientierung stärken Auf die offene Frage, was aus Sicht der Unternehmen passieren muss, damit die duale Ausbildung auch in Zukunft für junge Erwachsene ein attraktiver Karriereweg bleibt, wird u. a. wie folgt geantwortet:

  • Verstärkte Verantwortung der Eltern und der Schule bei Wertevermittlung
  • Aufzeigen von Karrierechancen im dualen System alternativ zum Studium
  • Bessere/mehr Berufsorientierung in den Schulen

Botschaften und Forderungen  der IHK zu Leipzig:  

Chancen systematischer Berufsorientierung konsequent ausschöpfen

Um gegen mangelnde Ausbildungsreife, unklare Berufsvorstellungen sowie vorzeitige Ausbildungsabbrüche vorzugehen, sind eine wirksamere Berufsorientierung in den Schulen sowie dauerhafte Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Schule notwendig. Eine frühzeitige, systematische, praxisbezogene Berufsorientierung sollte verbindlich und durchgängig in die Lehrpläne aller allgemeinbildenden Schulen in Sachsen verankert werden.  

Ausbildungsreife erhöhen

Mangelnde Ausbildungsreife ist ein wesentlicher Grund, warum Unternehmen ihre freien Lehrstellen nicht besetzen können. Umso wichtiger ist es, die Mängel in der Ausbildungsreife der Jugendlichen durch alle gesellschaftlichen Akteure noch konsequenter zu bekämpfen. Die Vermittlung von Wissen und Werten ist eine Aufgabe, die in der Schule und im Elternhaus erfolgen muss und im Unternehmen fortgesetzt wird.  

Duale Berufsausbildung als Alternative zum Studium stärken

Um das bewährte und im internationalen Vergleich erfolgreiche duale Berufsausbildungsmodell in seiner bisherigen Qualität zu erhalten, ist eine bessere Kooperation zwischen den dualen Ausbildungspartnern unerlässlich. Die IHK engagiert sich für den Austausch zwischen Betrieben und Berufsschulen.   Die duale Ausbildung ist die bewährte Quelle für den Fachkräftenachwuchs in Deutschland. Sie garantiert hochwertige, praxisnahe, bundesweit einheitliche berufliche Qualifizierung. Ihr Plus: Die Nähe zur Wirtschaft und zum praktischen Berufsalltag von Anfang an. Eine duale Berufsausbildung öffnet viele Türen, z. B. über einen Fortbildungsabschluss auch den Weg zum Hochschulstudium.   Vor diesem Hintergrund und angesichts einer Studienabbruchquote von 38 Prozent sollten auch Gymnasiasten verstärkt über die Möglichkeiten einer Berufsausbildung und die attraktiven Aufstiegswege in den Unternehmen informiert werden. Beispielsweise sind eine verkürzte Ausbildungszeit oder Modelle wie Kooperative Studiengänge und IHK-Praxisstudium interessante Optionen.   

Unterstützung der IHK zu Leipzig nutzen

Berufsorientierung, Werbung für das duale Ausbildungssystem, Vermittlung zwischen Unternehmen und Jugendlichen etc.: Die IHK zu Leipzig bietet eine Vielzahl von Instrumenten, Services, Projekten und Veranstaltungen um die Wirtschaft der Region bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen.

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