IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2016: Sächsische Wirtschaft hält Kurs

Presse

05.02.2016

Nachdem die sächsische Wirtschaft bereits im Herbst 2015 ein Konjunkturhoch verzeichnen konnte, behält sie auch zu Jahresbeginn 2016 ihren dynamischen Kurs bei.

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Sächsischen Industrie- und Handelskammern zeigt, dass sich die Lagebeurteilungen der Unternehmen zum vierten Mal in Folge verbessert haben: So berichten aktuell 55 Prozent der 1.900 befragten Unternehmen aus Industrie, Bau, Einzel- und Großhandel, Dienstleistungen und Verkehr mit insgesamt mehr als 105.000 Beschäftigten von einer guten Geschäftslage (Herbst: 50 Prozent). Nur sieben Prozent geben schlechte Urteile ab (Herbst: neun Prozent).

Die Geschäftserwartungen der Unternehmen bleiben gegenüber dem Herbst 2015 nahezu unverändert. 89 Prozent der Betriebe erwarten in den kommenden Monaten bessere oder gleichbleibende Geschäfte (Herbst: 87 Prozent), 11 Prozent befürchten eine Verschlechterung (Herbst: 13 Prozent).  

Der Geschäftsklimaindex zeigt die anhaltende Wachstumsdynamik der sächsischen Wirtschaft. Das Stimmungsbarometer hat infolge der äußerst positiven Lagebeurteilungen erneut zugelegt. Mit wieder 127 Punkten rangiert der Index trotz leicht verhaltener Prognosen nach 2011 und 2014 zum dritten Mal auf seinem Allzeithoch der letzten 15 Jahre.

Die Branchen
Die Einschätzung der Geschäftslage hat sich gegenüber der letzten Umfrage im Herbst 2015 in allen Wirtschaftsbereichen verbessert. Mit Werten von 63 und 58 Prozent positiver Lageeinschätzungen verzeichnen das Dienstleistungsgewerbe und die Bauwirtschaft die besten Ergebnisse. Beide Wirtschaftsbereiche zeichnen sich zudem durch die Spitzenwerte im Saldo von positiven und negativen Bewertungen mit 58 und 54 Punkten aus. Dank der anhaltend guten Konsumlaune bewerten auch die Einzelhändler ihre Geschäfte so gut wie noch nie (34 Punkte). Angesichts einer hohen Kapazitätsauslastung und steigenden Umsätze kann die sächsische Industrie ebenfalls weiter zulegen auf 45 Punkte. Im Sog der anhaltend guten Konjunktur verbessert sich auch im Verkehrsgewerbe (39 Punkte) und im Großhandel (42 Punkte) die Lage.

Investition und Beschäftigung
Die Investitionsabsichten der Firmen im Inland verstärken sich zwar erneut etwas, dennoch kommen sie trotz niedriger Zinsen am Kapitalmarkt nicht deutlich genug in Fahrt. Das investive Engagement bleibt angesichts zahlreicher Risiken und Unsicherheiten moderat. So beabsichtigen derzeit 20 Prozent der Unternehmen die Erhöhung ihrer Investitionsausgaben (Jahresbeginn 2015: 17 Prozent). 13 Prozent wollen ihre Investitionsausgaben reduzieren (Jahresbeginn 2015: 15 Prozent). Hauptmotiv der Investitionen bleiben für 70 Prozent der Betriebe Ausgaben für Ersatzbeschaffungen. Für Rationalisierungsmaßnahmen planen 32 Prozent investive Mittel ein. Investitionen in Produkt- bzw. Verfahrensinnovationen sowie Kapazitätserweiterungen beabsichtigen mit fast gleichen Anteilen 27 und 28 Prozent. In jedem zehnten Unternehmen stehen wie im Vorjahr Investitionen in Umweltschutz bzw. Energieeffizienz auf der Tagesordnung.

Im Jahr 2015 ist die Beschäftigung in Sachsen erneut gestiegen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wuchs zwischen Januar und Oktober 2015 um 25.900 Personen bzw. um 1,7 Prozent (Vorjahr: 1,4 Prozent).  Auch für die kommenden Monate lässt die Personalentwicklung moderate Zuwächse erwarten. Zwar lassen die demografische Entwicklung und die teilweise schwere Verfügbarkeit von Fachkräften zuerst auf die Beibehaltung der Personalbestände orientieren - 71 Prozent der Betriebe wollen ihre Personalbestände nicht verändern (Jahresbeginn 2015: 68 Prozent). Jedoch planen 18 Prozent Neueinstellungen vorzunehmen (Jahresbeginn 2015: 17 Prozent). Von einer erforderlichen Personalreduzierung gehen 11 Prozent der Befragten aus (Jahresbeginn 2015: 15 Prozent).
 
Das Risikoradar
Bis zum Jahresbeginn 2014 dominierten die Energie- und Kraftstoffpreise das Risikoradar der sächsischen Wirtschaft. Angesichts der anhaltend rückläufigen Preiseentwicklung haben diese Kostenfaktoren massiv an Bedeutung verloren (Energiepreise Jahresbeginn 2014: 48 Prozent; Jahresbeginn 2016: 21 Prozent / Kraftstoffpreise Jahresbeginn 2014: 39 Prozent; Jahresbeginn 2016: 13 Prozent). Das größte Geschäftsrisiko wird hingegen mit 46 Prozent, wie auch schon 2015, in den Arbeitskosten gesehen. Zu den am häufigsten genannten Risiken zählen zudem die Inlandsnachfrage (44 Prozent) und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (42 Prozent). Hemmnisse sind dabei einerseits zunehmende Bürokratie und Neuregelungen (Mindestlohn, Rente mit 63, Bestellerprinzip) sowie Gesetzesvorhaben (Zeitarbeit und Werkverträge, Insolvenzanfechtung u. a.), andererseits aber auch Folgen der Flüchtlingskrise für Deutschland und Europa, der Integration und des Standortimages. Ebenso bereiten die Wirtschaftsentwicklung weltweit, die Embargopolitik gegenüber Russland und internationale Krisenherde zunehmend Sorgen.

Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen
Um den Aufschwung der sächsischen Wirtschaft auf eine breitere und nachhaltigere Basis zu stellen, richtet die Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern im Freistaat Sachsen folgende Forderungen an die Politik:

  • Bürokratieabbau ernst nehmen
    Trotz „Bürokratiebremse“ sind die Belastungen der Wirtschaft beispielsweise mit dem Mindestlohngesetz, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, dem Elektronikgerätegesetz und der Finanzmarktregulierung gewachsen. Weitere Vorhaben auf Bundes- und Landesebene, von der Erbschaftssteuerreform bis zum Vergaberecht, müssen mittelstandsfreundlich und rechtssicher umgesetzt werden.
  • Arbeitskosten nicht weiter nach oben treiben
    Die Einführung des Mindestlohns sowie hohe Gehalts- und Lohnabschlüsse haben die Personalkosten stark nach oben getrieben und die Wettbewerbsfähigkeit vieler klein- und mittelständischer Unternehmen verschlechtert. Auf zusätzliche Erhöhungen, etwa der Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitgeber, durch das geplante Entgeltgleichheitsgesetz, steigende Nachweis- und Dokumentationspflichten oder Ausgleichsabgaben ist zu verzichten.
  • Werkvertragliche Gestaltungsfreiheit und flexible Zeitarbeit erhalten
    Die aktuell diskutierte Einschränkung der werksvertraglichen Gestaltungsfreiheit beschneidet das Recht der Unternehmer, strategische Entscheidungen zu treffen, beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und gefährdet Arbeitsplätze. Abzulehnen ist zudem eine starre Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, welche die Durchführung langfristiger Projekte deutlich erschweren würde.
  • Arbeitsmarkt-Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen beschleunigen
    Die große Zahl von Asylsuchenden und Flüchtlingen erfordert dringend integrative Konzepte. Ein schneller und unkomplizierter Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist dabei eines der erfolgversprechendsten Mittel. Für die Unternehmen ist dabei entscheidend, dass ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache vorhanden sind, Klarheit über das Qualifikationsniveau besteht und eine gesicherte Bleibeperspektive vorliegt. Die Anerkennungsverfahren und Fördermaßnahmen sind darauf auszurichten, bürokratische Hürden bei der Vermittlung in die Unternehmen abzubauen.
  • Netznutzungsentgelte reformieren
    Der Netzausbau zur Aufnahme der erneuerbaren Energien vornehmlich im Norden und Osten Deutschlands führt dort zu deutlich höheren Netznutzungsentgelten und damit zu erheblichen Standortnachteilen. Neuansiedlungen von Unternehmen erfolgen eher in Regionen mit günstigeren Strompreisen. Energiewendebedingte Unterschiede bei den Netznutzungsentgelten, die zum Beispiel aus Kosten für Infrastrukturausbau und Netzmanagement im Übertragungsnetz resultieren, sind bundesweit auszugleichen, und die benachteiligenden Regelungen zu den „Vermiedenen Netznutzungsentgelten“ sofort abzuschaffen.
  • Anpassung aktueller Förderrichtlinien prüfen
    Die aktuell niedrige Investitionstätigkeit der Unternehmen gibt Anlass zur Sorge, denn die Investitionen von heute sind das Fundament für Wachstum und Arbeitsplätze von morgen. Die Investitionsförderprogramme des Bundes und des Landes sind auf Kriterien mit investitionshemmender Wirkung hin zu überprüfen. Identifizierte Regelungen sind anzupassen.

Zum vollständigen Konjunkturbericht Sachsen zum Jahresbeginn 2016

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