Flüchtlinge und Asylsuchende im Fokus der Wirtschaft

Presse

28.10.2015

Sächsische IHK-Unternehmen signalisieren hohe Beschäftigungs- und Ausbildungsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden bei entsprechenden Voraussetzungen und Rahmenbedingungen.

Das Thema Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern ist in den Mitgliedsbetrieben der sächsischen IHKs vor allem aus unternehmerischer Sicht außerordentlich präsent. Dies macht nicht zuletzt die hohe Beteiligung an einer sachsenweiten Befragung der Kammern Chemnitz, Dresden und Leipzig im Oktober 2015 deutlich, an der sich mehr als 2.500 Unter-nehmen aus Industrie, Bau, Handel, Verkehr, Gastgewerbe und Dienstleistungen beteiligten. Rund die Hälfte der Befragten (49 %) ist davon überzeugt, dass die Zuwanderung Asylsu-chender auch eine Möglichkeit ist, den demografisch bedingt drohenden Fachkräftemangel in der Region abzumildern.

Unternehmen signalisieren hohe Einstellungsbereitschaft

Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg signalisieren 63 % der Befragten ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Beschäftigung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Mit 78 bzw. 74 % domi-nieren das Gastgewerbe und die Industrie, am zurückhaltendsten ist der Handel mit 50 %. Deutlich ist die Abhängigkeit von der Beschäftigtenzahl. So würden Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern in 53 % der Fälle Flüchtlingen und Asylbewerbern Chancen auf Be-schäftigung bzw. Ausbildung einräumen, Unternehmen mit 500 und mehr Mitarbeitern hinge-gen zu 89 %. Neun von zehn Unternehmen machen ihre Einstellungsbereitschaft von einer bereits erteilten Aufenthaltserlaubnis abhängig.  

Konkrete Einstellungsperspektiven bereits für 2016 offerieren 45 % der Unternehmen, wobei auch hier das Gastgewerbe (71 %) und die Industrie (52 %) die meisten Nennungen auf sich vereinen. Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg entfallen 46 % aller Stellenangebote auf un- und angelernte Tätigkeiten, 43 % auf Tätigkeiten, die eine Berufsausbildung voraussetzen, und 11 % auf Akademiker.

Konkrete Anforderungen an Bewerber

Die Unternehmen verbinden ihre Einstellungsbereitschaft jedoch mit hohen Anforderungen an die potenziellen Bewerber. So nennen 59 % gute bis sehr gute Deutschkenntnisse, und 45 bzw. 43 % eine nachweislich abgeschlossene Berufs- bzw. Schulausbildung als Mindest-voraussetzungen.

Ausbildungsunternehmen fordern klare Bleibeperspektive

Hinsichtlich der Bereitschaft zur Berufsausbildung liegt der Wert naturgemäß unter dem der Beschäftigungsmöglichkeiten, da allein 35 % der Befragten nicht über eine Ausbildungsbe-rechtigung verfügen. Weitere 40 % Prozent der Unternehmen sind grundsätzlich bereit, Flüchtlinge und Asylbewerber auszubilden, wobei 78 % der genannten Ausbildungsrichtungen auf gewerblich-technische und 22 % auf kaufmännische Berufe entfallen.

Im Kontext der Berufsausbildung kommt der Bleibeperspektive der jungen Leute eine beson-dere Bedeutung zu. So würden fast zwei Drittel der Firmen (64 %) ein Ausbildungsengage-ment daran knüpfen, dass der Aufenthalt ihrer Auszubildenden – zumindest temporär – auch nach Abschluss der Ausbildung gesichert ist. 36 % könnten sich eine Ausbildung auch dann vorstellen, wenn das Bleiberecht zumindest bis zur Beendigung der Ausbildung gewährleistet werden kann.

Einstellungshürden für Beschäftigung und Ausbildung

Für Beschäftigung und Ausbildung gleichermaßen bedarf es aus Sicht der Unternehmen des Abbaus verschiedener Hürden. Mit jeweils 55 % werden hierbei am häufigsten die undurch-schaubare Rechtslage und Unsicherheiten über das Qualifikationsniveau genannt. Es folgen mit 42 bzw. 38 % die großen kulturellen Unterschiede und hohe bürokratische Hürden. Die Höhe des Mindestlohns wird von 28 % der Unternehmen als Einstellungshemmnis angese-hen.

Unterstützungsmöglichkeiten der IHKs

Die Kammervertreter wiesen im Rahmen der Vorstellung der Umfrageergebnisse noch ein-mal auf ihre Unterstützungsmöglichkeiten hin. Dazu gehören die Information und Beratung ihrer Mitgliedsunternehmen zu Fragen rund um die aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen zur Beschäftigung von Flüchtlingen; die Beratung zur Anerkennung und Gleichstellung von im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen im IHK-Bereich; die Unterstützung der Agenturen für Arbeit und Integrationsinstitutionen bei der Berufsorientierung; die Eingliederung in aufnahmebereite Unternehmen mittels Einstiegsqualifizierungen (EQ); Kompetenzfeststellungen und Ergänzung der beruflichen Vorkenntnissen durch Teilqualifizierungen (TQ) gemeinsam mit Bildungsträgern sowie die Beratung von angehenden Existenzgründern.

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Foto von André Grüner - Mitarbeiter Steuer- und Finanzpolitik und Geschäftsfeldmanager Standortpolitik
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