Aktueller Konjunkturbericht der IHK zu Leipzig im Frühjahr 2014: Gewerbliche Wir

Presse

23.05.2014

Die konjunkturelle Situation in der gewerblichen Wirtschaft der Region Leipzig präsentiert sich im Frühjahr 2014 unverändert freundlich. Laut den Ergebnissen der aktuellen Konjunkturbefragung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig haben sich die Geschäftserwartungen gegenüber der Vorumfrage sogar nochmals verbessert. Damit bestätigen sich die positiven Wachstumsprognosen vom Jahresbeginn.

Mit 47 Prozent beurteilt weiterhin nahezu die Hälfte der Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut, während nur 9 Prozent unzufrieden sind. Der Saldo aus positiven und negativen Lagebeurteilungen sinkt im Vergleich zum Jahresbeginn nur unwesentlich um 3 auf +38 Punkte. Am insgesamt positiven Ausblick der Unternehmen hat sich aktuell nichts geändert. 28 Prozent der Firmen rechnen mit besseren Geschäften, während der Anteil der Pessimisten bei 11 Prozent verharrt. Der Prognosesaldo erreicht mit +17 Punkten wieder die bisherige Bestmarke vom Frühjahr 2011 und 2012.

"Die positive Einschätzung der Lage ist durchweg in allen Wirtschaftsbereichen festzustellen und unterstreicht den breiten Konjunkturaufschwung der vergangenen zwölf Monate", kommentiert Wolfgang Topf, Präsident der IHK zu Leipzig die Ergebnisse. "Für den optimistischen Ausblick ist vor allem die gute Binnennachfrage verantwortlich. Die Exportaussichten sind zwar ebenfalls freundlich, jedoch etwas zurückhaltender als zum Jahresbeginn – ein mit Blick auf die aktuelle Situation in Russland und der Ukraine erstes Zeichen der Verunsicherung. Potenzielle geschäftliche Risiken treten durch die gute Stimmung momentan scheinbar etwas in den Hintergrund."

Hinsichtlich der Konjunkturrisiken gibt es gegenüber dem Vorjahr durchaus wichtige Veränderungen. Seit Start der neuen Regierungskoalition stehen die Arbeitskosten mit Blick auf die Mindestlohn- und Rentenpläne deutlich stärker im Fokus der Unternehmen als zuvor. Mit 47 Prozent führt dieser Faktor die Liste der Risikofaktoren an – gefolgt von der Entwicklung der Energiepreise mit 44 Prozent sowie der Inlandsnachfrage mit 42 Prozent. Zudem haben die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie der Fachkräftemangel an Bedeutung gewonnen.
 
An der Konjunkturbefragung im Frühjahr Jahresbeginn 2014 im IHK-Bezirk Leipzig beteiligten sich 648 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit mehr als 31.000 Beschäftigten.

Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen

"Auch wenn sich die Verfassung der gewerblichen Wirtschaft in der Region Leipzig zurzeit ausgezeichnet präsentiert, ist nicht alles Gold, was glänzt. Als Wermutstropfen erweisen sich die Vorhaben der Bundesregierung, die zu einer spürbaren Erhöhung der Kostenbelastung der Unternehmen führen werden. Wir fordern daher Korrekturen bei aktuellen Gesetzesentwürfen der Bundesregierung", so Topf weiter.

Mindestlohngesetz nachbessern! 
Der Gesetzentwurf zum Mindestlohn muss im parlamentarischen Verfahren nachgebessert werden. Insbesondere muss der Branchenbezug erhalten bleiben. Des Weiteren ist die Haftung des Auftraggebers für Nichtzahlung des Mindestlohns durch Nachunternehmer zu streichen. Die Auswirkungen des Mindestlohns für kleine und mittelständische Unternehmen, wie zum Beispiel im Taxigewerbe, sind schwer einschätzbar.

Zahlungsfrist von 30 Tagen beibehalten!
Der aktuell im Bundestag behandelte Gesetzentwurf zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr bedarf im parlamentarischen Verfahren einer dringenden Korrektur. Die vorgesehene Ausweitung eines allgemeingültigen Zahlungsziels auf 60 Tage geht in der Geschäftspraxis zu Lasten der Liquidität von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die bewährte Fristenpraxis von 30 Tagen muss daher als Regelfall erhalten bleiben.

Vorverlagerung der Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge rückgängig machen!
Der Liquiditätsentzug, der den sächsischen Mittelständlern durch die 2005 beschlossene Regelung zur Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge entsteht, liegt bei knapp 23 Millionen Euro jährlich. Eine Korrektur der damaligen Entscheidung ist deshalb überfällig. Der Bundesrat  muss der diesbezüglichen Initiative des Freistaates Sachsen zustimmen.

Ausweitung der LKW-Maut verhindern!
Der Bund nimmt im Verkehrsbereich mehr als 50 Milliarden Euro über Steuern und Abgaben ein. Davon fließen nur knapp 20 Milliarden in den Verkehrshaushalt zurück. Anstatt – wie von der Bundesregierung angekündigt – die LKW-Maut auf alle Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen Gewicht sowie auf weitere Bundesstraßen auszuweiten, muss eine stärkere Zweckbindung des Aufkommens aus der Kfz-Steuer für Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur erfolgen.

Die Ergebnisse der einzelnen Wirtschaftsbereiche

Industrie – trotz schwächerer Prognosen überwiegt Zuversicht
Die konjunkturelle Entwicklung im der Industrie verlief in den vergangenen 12 Monaten insgesamt positiv. Die Lagebeurteilungen haben sich aktuell zwar etwas eingetrübt, liegen mit einem Saldo von +35 Punkten jedoch fast doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Ihre Geschäftserwartungen haben die Industrieunternehmen ebenfalls etwas zurückgenommen. Der Saldo verringert sich zum Jahresbeginn um 7 auf +21 Punkte. Damit liegt der Wert um 4 Punkte über dem Vorjahresstand – ein immer noch sehr gutes Ergebnis. Dem eingeschlagenen Wachstumspfad droht daher keine Gefahr.

Baugewerbe – nach wie vor in bester Stimmung
Aufgrund des sehr milden Winters wurde die Bautätigkeit in diesem Jahr kaum beeinträchtigt. Der Saldo der Geschäftslage erhöhte sich von +51 auf +56 Punkte. Wie zuletzt im Herbst 2013 gibt kein einziges der befragten Unternehmen eine schlechte Lageeinschätzung ab. Die aktuellen Geschäftsaussichten für 2014 bestätigen den eingeschlagenen Wachstumskurs: Der Saldo der Erwartungen steigt gegenüber dem Jahresbeginn um 3 auf +15 Punkte an.

Dienstleistungsgewerbe – auf stabilem Wachstumskurs
Im Dienstleistungsgewerbe hat sich die Situation gegenüber dem Jahresbeginn kaum verändert. Die Geschäftslage behauptet sich auf einem sehr hohen Niveau. Der aktuelle Lage-Saldo liegt mit +45 Punkten knapp unter der bisherigen Bestmarke von +46 Punkten. Auch für die kommenden 12 Monate sind die Geschäftserwartungen optimistisch. Deren Saldo steigt um 3 auf +18 Punkte und stützt die guten Wachstumsaussichten.

Einzelhandel – Geschäftsprognosen so gut wie nie
Im Einzelhandel lässt sich eine zunehmende Verbesserung der geschäftlichen Situation erkennen. Die aktuellen Lagebeurteilungen haben sich zwar saisonbedingt etwas eingetrübt, liegen mit einem Saldo von +24 Punkten aber weiter auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Dieser Aufwärtstrend wird durch die kräftig angehobenen Geschäftserwartungen bestätigt. So rechnen 29 Prozent der Unternehmer mit einer Verbesserung ihrer geschäftlichen Situation. Der Saldo springt um 12 auf +15 Punkte und erreicht damit ein neues Allzeithoch.

Großhandel – vom Konjunkturaufschwung beflügelt
Die leichte Lageeintrübung im ersten Quartal kann die insgesamt positive Geschäftsentwicklung im Großhandel nicht beeinträchtigen, zumal diese vorrangig saisonale Ursachen hat. Der Saldo der Geschäftslage sinkt um 8 auf +30 Punkte. Ihre Geschäftsprognosen haben die Unternehmen nochmals kräftig angehoben. Der Saldo klettert gegenüber dem Jahresbeginn um 20 auf +30 Punkte. Diese ausgesprochen optimistischen Aussichten lassen eine Fortsetzung der positiven Entwicklung erwarten.

Verkehrsgewerbe – Verunsicherung nimmt weiter zu
Durch den milden Winter verlief für viele Unternehmen die Umsatzentwicklung im ersten Quartal günstiger als erwartet. Der Lage-Saldo stieg um 7 auf +27 Punkte. Trotz des guten Jahresstarts haben die Firmen ihre Geschäftserwartungen für 2014 jedoch weiter gesenkt. Dies steht im Gegensatz zu den meisten anderen Wirtschaftsbereichen. Der Saldo sinkt von +10 auf -4 Punkte, was auf eine Abschwächung der zuletzt  positiven Entwicklung hindeutet.

Gastgewerbe/Tourismus – Prognosen sprechen für Fortsetzung der positiven Entwicklung
Das Gast- und Tourismusgewerbe bleibt trotz der saisonüblichen Umsatzrückgänge im ersten Quartal auf der Erfolgsspur. Zwar sinkt der Saldo der Geschäftslage um 16 auf +32 Punkte, der Geschäftsausblick bleibt jedoch sehr zuversichtlich. Die Unternehmen rechnen mit. Der Saldo steigt mit Blick auf die Freiluftsaison und in Erwartung weiter steigender Gästezahlen nochmals spürbar auf +10 Punkte.

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