Belastungen der sozialen Sicherungssysteme lassen ab 2011 stark steigende Lohnnebenkosten erwarten
Soziale Absicherung für Selbstständige zwischen gesetzlicher und privater Vorsorge
Die derzeitigen Prognosen zur Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben der Sozialversicherungssysteme lassen einen deutlichen Anstieg der Lohnnebenkosten ab 2011 erwarten. Sowohl die Arbeitslosenversicherung, die in den letzten Jahren eine Reserve von fast 17 Milliarden Euro aufgebaut hatte, als auch die Renten- und die Krankenversicherung werden nach derzeitigem Stand dazu beitragen, dass die Belastung mit Sozialbeiträgen in den nächsten Jahren wieder deutlich ansteigt.
Bis 2013 benötigt die Bundesagentur für Arbeit – vor allem aufgrund der hohen Ausgaben für Kurzarbeit in diesem Jahr und der zu erwartenden Entwicklung der Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen – nach eigenen Schätzungen rund 50 Milliarden Euro. Schon für 2010 rechnet die Agentur mit einem Fehlbetrag von 20 Milliarden Euro. Zwar sind die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bis Ende 2010 bei 2,8 Prozent festgeschrieben, danach droht dann allerdings ein deutlicherer Anstieg als bisher geplant.
Auch in Bezug auf die Rentenversicherung werden aufgrund der Beschlüsse der letzten Jahre (u. a. Aussetzung der Rentendämpfung 2005 und 2006 sowie der "Riestertreppe" 2008 und 2009 und die aktuell beschlossene Rentengarantie, die ein Sinken der Nettorenten verhindern soll) die Beiträge steigen. Nach Schätzungen des Rentenexperten Professor Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg ist schon 2011 eine Steigerung der Beiträge auf 21,1 Prozent notwendig, um die Finanzierbarkeit der Rente auch weiterhin sicherzustellen.
Ebenfalls ab 2011 wird der Finanzbedarf der Krankenkassen deutlich ansteigen. Vor allem weil sie dann die – aus Steuermitteln an den Gesundheitsfonds – gewährten Darlehen zurückzahlen müssen. Diese werden u. a. notwendig, da der im November 2008 festgesetzte Beitragssatz zur Finanzierung des Gesundheitssystems im Zuge des Konjunkturpakets II abgesenkt wurde. Gleichzeitig wird im Herbst 2010 ein neuer Beitragssatz festgelegt. Inwieweit dies zu einem Anstieg des allgemeinen paritätisch finanzierten Beitragssatzes führen wird oder durch Zusatzbeiträge finanziert werden muss, ist aus heutiger Sicht schwer zu prognostizieren.
Gemeinsam mit den aktuellen Beitragssätzen zur Pflegeversicherung von 1,95 Prozent bzw. 2,2 Prozent für Kinderlose (deren Finanzbedarf in unserer alternden Gesellschaft zukünftig deutlich ansteigen wird) ergibt sich somit ein Gesamtbeitragssatz zur Sozialversicherung, der deutlich über 40 Prozent liegen wird.
Veranstaltung in der IHK zu Leipzig
Im Rahmen der Sommerakademie 2009 für die mitteldeutsche Wirtschaft bieten wir eine kostenfreie Veranstaltung zum Thema "Sozialversicherung für Selbstständige" an. Die Veranstaltung findet am 25. August 2009 im ZAW Zentrum für Aus- und Weiterbildung in der Leipziger Bogislawstraße 20, Saal Neubau, von 16 bis ca. 19 Uhr statt. Sie wird einen Überblick über die gesetzlichen Regelungen und die Möglichkeiten der sozialen Absicherung für Selbstständige geben. Bei Interesse melden Sie sich bitte hier verbindlich an.