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wirtschaft 8-9/2013

wirtschaft 8-9/2013

Estland, Lettland, Litauen

Estland, Lettland und Litauen vereinen

nicht nur die geographische Lage und

eine gemeinsame Geschichte als Teil der

Sowjetunion, sondern auch die rasante

Entwicklung in den letzten zwei Jahr-

zehnten. Die Krise der Jahre 2008 und

2009 traf sie dann aber besonders hart. Sie

konnte allerdings durch die besonnene

Sparpolitik der Regierungen bereits wie-

der überwunden werden. Seit zwei Jahren

belegen sie in Bezug auf ihr Wachstum

nun die Spitzenplätze in der EU.

Anfang Juli 2013 reiste Bundespräsi-

dent Joachim Gauck zu Staatsbesuchen

nach Lettland, Estland und Litauen, um

sich das Ergebnis dieser Erfolgsgeschichte

anzusehen. Er lobte immer wieder „ihren

Lettland bekommt 2014 den Euro

Der lettische Premierminister Valdis

Dombrovskis und sein Finanzminister

Andris Vilks warben in den letzten Mo-

naten in ganz Europa für ihr Land und

seine Aufnahme in die Eurozone zum 1.

Januar 2014. Überall interessiert man

sich derzeit sehr für Lettlands Erfolgsge-

schichte in der jüngsten Krise und die

Unbeirrtheit, diesen Erfolg nun mit

dem Euro krönen zu wollen. Die deut-

schen Unternehmen in Lettland blicken

der Euro-Einführung positiv entgegen,

wie eine aktuelle Umfrage der AHK Bal-

tische Staaten zeigt. Sie erwarten, dass

die Euro-Einführung vor allem weniger

administrativen Aufwand und sinkende

Transaktionskosten bringt. Lettland soll

außerdem dank seiner durch die Euro-

päische Kommission attestierten sta-

bilen Wirtschaft noch stärker als sicherer

Investitionsstandort

wahrgenommen

werden.

Litauens EU-Ratspräsidentschaft

im zweiten Halbjahr 2013

Seit 1. Juli 2013 hat Litauen nun den

Vorsitz des EU-Rats inne und kann als

…Dr. Heinz Fischer, Prokurist der FAN

Fischer Analysen Instrumente GmbH.

Der im Baltikum aktive Leipziger Un-

ternehmer segelte im September 2012

mit der SachsenSail nach Riga, wo er

unter anderem am von der IHK zu Leip-

zig organisierten Wirtschaftssymposium

teilnahm.

Wie schätzen Sie die wirtschaftliche

Situation Lettlands und mögliche Koo-

perationen ein?

Dr. Heinz Fischer:

Lettland hat sich

nach EU-Beitritt und Euro-Einführung

besonders rasant entwickelt. Aus meiner

Sicht ist es unter den Baltischen Staaten

am weitesten vorangekommen.

Sie haben Produkte der FAN GmbH

2007 registrieren lassen und während

der SachsenSail eine Klinik besucht,

in der die Geräte eingesetzt werden.

Wie gelang Ihr Einstieg in den let-

tischen Markt?

Dr. Heinz Fischer:

Der erste Versuch

erfolgte Anfang 2004 auf einer von der

IHK zu Leipzig organisierten Reise.

Dann passierte erst einmal nicht mehr

viel. Erschwert wurde der Markteintritt

dadurch, dass Geräte der Medizintech-

nik eine gesonderte nationale Zulassung

benötigen. Um diese zu erhalten,

braucht man unbedingt einen Partner

vor Ort mit ausreichenden Kenntnissen

im Zulassungsverfahren und dem nöti-

gem medizinischen wie ökonomischen

Gewicht. Den fanden wir in einem Uni-

versitätsprofessor aus Riga, den ich auf

Kongressen kennengelernt hatte. 2007

bekamen wir dann endlich die Zulas-

sung für unser Gerät. Die folgende Re-

gistrierung in Weißrussland war ein-

facher, denn die Zusammenarbeit der

ehemaligen Sowjetrepubliken funktio-

niert nach wie vor.

Was empfehlen Sie Unternehmen, die

im Baltikum Fuß fassen möchten?

Dr. Heinz Fischer:

Trotz der Wiederbe-

lebung der Zusammenarbeit während

der SachsenSail 2012 konnten wir bis

jetzt keinen weiteren Umsatz generieren.

Es bedarf eines langen Atems, um im

Baltikum erfolgreich zu sein.

Reform- und Sparwillen, die Innovations-

freude, die Neugierde auf Europa sowie

die Hingabe an die eigenen Traditionen

und die Bereitschaft zur Verantwortung“.

Er zeigte sich sichtlich beeindruckt. Zum

Beispiel von E-stonia, wie Estland gern

aufgrund seiner Offenheit für neue Tech-

nologien und eGovernment-Lösungen

genannt wird. In Bezug auf den Einsatz

von modernen Kommunikationstechno-

logien in staatlichen Einrichtungen ist

Estland heute europaweit ein Vorreiter.

Doch auch von Lettland und Litauen

kann man in Bezug auf die schnelle Ent-

wicklung ihrer internationalen Wettbe-

werbsfähigkeit lernen.

Bei der Überwindung der Krise bewies

die Wirtschaft der baltischen Staaten eine

besondere Anpassungsfähigkeit. Da die

Binnenmärkte nicht mehr ausreichend

profitabel waren, erschlossen die innova-

tiven Unternehmen neue Absatzkanäle.

Deutschland gilt dabei für viele als Ex-

portmarkt Nr. 1. Da die baltischen Staa-

ten keine starke Konzentration auf einzel-

ne Branchen vorweisen, sondern gerade

im produzierenden Bereich breit aufge-

stellt sind, bieten sie sich besonders für die

Produktion kleinerer Margen als Partner

an. Wichtige Zielbranchen für deutsche

Investitionen sind dabei die Energiewirt-

schaft, das verarbeitende Gewerbe – da-

erster baltischer Staat zeigen, dass es ge-

nauso wie andere EU-Mitgliedsstaaten

zur Gestaltung der Europäischen Union

beitragen kann. Die litauische Regie-

rung verfolgt dabei drei wesentliche

Ziele. Sie will sich für ein offenes Europa

einsetzen und dabei einen engeren Dia-

log mit den östlichen EU-Nachbar-

runter insbesondere der Maschinenbau

und die holzverarbeitende Industrie – die

Immobilienwirtschaft und der Dienstlei-

stungssektor.

Eine aktuelle Umfrage der AHK Bal-

tische Staaten zeigt, dass die deutschen

Unternehmen vom Konjunkturauf-

schwung profitieren. Die gegenwärtige

Konjunkturlage bewerten sie zu über

90 Prozent als gut beziehungsweise befrie-

digend. Für die Zukunft bieten eine Reihe

geplanter Großprojekte im Energie-, Ver-

kehrs- und Telekommunikationsinfra-

strukturausbau vielversprechende Ge-

schäftschancen vor allem für deutsche

Maschinen- und Anlagenbauer, darunter

im Bereich Erneuerbare Energien, sowie

für Bauunternehmen. Derzeit würden

sich weit über 80 Prozent der hier tätigen

deutschen Unternehmen wieder für ihr

Gastland als Investitionsstandort ent-

scheiden. Die geographische Lage bietet

sowohl eine ideale logistische Anbindung

nach Deutschland, als auch Richtung

Russland. Deutsche Unternehmen finden

hier eine hanseatische Geschäftskultur

und im Gesellschaftsrecht viele Parallelen

zum deutschen Recht.

Kerstin Leisering

Außenhandelskammer Baltische Staaten

staaten im Rahmen der östlichen Part-

nerschaft fördern. Außerdem tritt sie für

ein glaubwürdiges Europa im Sinne ei-

ner zunehmend gemeinsamen Wirt-

schaftspolitik und einer nachhaltigen

Steuerung des Finanzsektors ein. Und

auch die Energiepolitik spielt für Litau-

en eine große Rolle. „Es ist wichtig, die

Wettbewerbsfähigkeit der Mitglieds-

staaten weiter zu stärken, die Konsoli-

dierung der öffentlichen Finanzen vor-

anzutreiben, notwendige Struktur-

reformen konsequent zu verfolgen und

das Vertrauen in die Finanzmärkte wie-

der herzustellen, um Investitionen zu

erleichtern“, so fasst der litauische Pre-

mierminister Algirdas Butkevičius das

dritte Ziel – ein wachsendes Europa –

zusammen.

Kerstin Leisering

Europa schaut begeistert auf das

Baltikum: Die baltischen Staaten

sind derzeit Europas Wachstums-

lokomotiven Nr. 1. Sie verspre-

chen dank der anhaltend guten

Wirtschaftslage und ihrer Offen-

heit gegenüber deutschen Part-

nern interessante Neugeschäfte

für klein- und mittelständische

Unternehmen.

Kleine Länder mit großen Chancen für deutsche

Unternehmen

Drei Fragen an ...

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