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Kultur und Geschichte

wirtschaft 7/2013

Leipziger Eisenbahngeschichte in der Reichsbahn-Epoche: Auf- und Abschwünge

Schlängelkurs mit Intentionen,

Innovationen und Investitionen

Erste deutsche Ferneisenbahn, größter europäischer Kopfbahnhof, Schwerpunkt der Streckenelektrifizie-

rung – die Leipziger Eisenbahngeschichte ist gespickt mit Superlativen. Doch ausgerechnet im Mittelpunkt

des Schienennetzes fehlte ein wichtiges Stück. Dieser kurze, aber bedeutende Abschnitt – der City-Tunnel

– geht nun am 15. Dezember 2013, wenige Wochen vor dem 175. Jahrestag der historischen Inbetriebnah-

me der Strecke Leipzig – Dresden, in Betrieb. Grund genug, die Leipziger Eisenbahngeschichte in ihrer

Bedeutung für die regionale Wirtschaft nachzuzeichnen und einen Blick nach vorn zu wagen.

Teil 2: Von 1918 bis 1990

Die Züge fuhren weiter, als der Erste

Weltkrieg zu Ende ging, doch nach der

Niederlage für das deutsche Kaiserreich

wurden in der jungen Republik viele Wei-

chen für einen Wandel gestellt. Aus sieben

Länderbahnen entstand am 1. April 1920

die Deutsche Reichsbahn. Als reichsein-

heitliches Vermögen in der Weimarer Ver-

fassung verankert, war das riesige, profita-

bleUnternehmen das Pfand für rechtzeitige

Reparationszahlungen an die Siegermächte

des Krieges.

In Leipzig tat sich in jenen Jahren viel

auf eisenbahntechnischem Gebiet. Die

Streckenelektrifizierung zündete den elekt-

rischen Funken auch im überregionalen

Schienennetz. Experimentiert hatte amBe-

ginn des 20. Jahrhunderts bereits die Preu-

ßische Staatsbahn zwischen Dessau, Bitter-

feld und Leipzig-Schönefeld. Für den

Güterverkehr bedeutete der Einsatz von

E-Loks einen spürbaren Fortschritt. Der

hochschnellende Kupferbedarf in den

Kriegsjahren 1914 bis 1918 reduzierte die

neue Technik vorerst jedoch nur auf eine

kurze Episode. Doch in den 1920er Jahren

wurde der Fahrdraht wieder gezogen –

nach damaligem Stand der Technik in drei

Revieren mit ausreichend Kohlevorkom-

men bzw. Wasserkraft zur Energieerzeu-

gung, und das waren Oberschlesien, Süd-

bayern und eben Mitteldeutschland.

Eigene Reichsbahndirektion blieb

Leipzig verwehrt

Leipzig verteidigte in der Weimarer Re-

publik seinen Anspruch, eine Weltmesse

auszurichten. Geplant wurde gegenüber

vom Hauptbahnhof ein markanter Hoch-

hausturm, der einen großen Teil der Aus-

stellungen aufnehmen sollte. Die U-Bahn

geriet wieder in den Blick. Es blieb aber bei

Entwürfen. Zäh verlief der politische

Kampf der stolzen Messestadt um eine ei-

gene Reichsbahndirektion (Rbd). Doch

auf diesemGebiet sollte das mitteldeutsche

Wirtschaftszentrum nicht zu dominant

werden. Die frühere Grenze zwischen

Preußischer und Sächsischer Staatsbahn

entlang der Gleise 13 und 14 des Haupt-

bahnhofs, die sich dann weiter nördlich

durch das Bahnhofsvorfeld mit seinen

Gleisanlagen zog, wandelte sich zur Grenze

Durch das Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs zog sich die Grenze zwischen den Reichsbahndirektionen

Halle und Dresden.

Bis zum Beginn der 1980er Jahre übernahmen Dampf-

lokomotiven noch einen Teil des Reiseverkehrs.

Ständig präsent im legendären Reichsbahn-Kalender:

der mitteldeutsche Güterverkehr auf der Schiene

Erhielt die Deutsche Reichsbahn neue Fahrzeuge,

waren sie auch rasch in der Messestadt anzutreffen.