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Recht und Steuern

wirtschaft 7/2013

Besonders gefährdet: Jungunternehmer und Existenzgründer

Der Adressbuchschwindel bzw. Adress-

buchbetrug, also das Versenden irrefüh-

rend gestalteter Angebotsformulare für

Eintragungen in Datenverzeichnisse, ist

nach wie vor derjenige Bereich der Wirt-

schaftskriminalität, in dem der Deutsche

Schutzverband gegen Wirtschaftskrimina-

lität e. V. (DSW) das höchste Beschwerde-

aufkommen feststellt. Allein im vergange-

nen Jahr registrierte der Verband hier 91

verschiedene „Anbieter“. In enger Zusam-

menarbeit mit dem DSW verfolgen die

Industrie- und Handelskammern diese

unseriösen Praktiken.

Angesichts der Tatsache, dass bei der

Mehrzahl der Formularaussendungen be-

reits der gesamte Betrag für die meist zwei-

jährige Vertragslaufzeit imVoraus in Rech-

nung gestellt und angemahnt wird, setzt

der DSW seine jährliche Schadensberech-

nung für den Adressbuchschwindel auf

nunmehr 728 Millionen Euro hoch. Es

handelt sich hierbei um einen hypothe-

tischen Wert, bezogen auf den Fall, dass

sämtliche Betroffene auf Angebote und

Rechnungen Zahlung leisten. Diese Zahl

stellt den potenziellen volkswirtschaft-

lichen Schaden dar, der durch das „Ge-

schäftsmodell“ Adressbuchschwindel ver-

ursacht werden kann.

Betrüger agieren zunehmend

aus dem Ausland

Obwohl die Art und Weise der Formu-

largestaltung selbst seit Jahrzehnten den

gleichen Mustern folgt, kennt die Fantasie

der Versender bei der Bezeichnung der

Verzeichnisse keine Grenzen. So finden

sich neben den klassischen Handelsregi-

ster- und Branchenverzeichnissen auch

Marken- und Gebrauchsmusterverzeich-

nisse. Aber auch Umsatzsteuerverzeich-

nisse werden inzwischen angeboten, wobei

die Zahlungsbereitschaft durch eine offizi-

elle Gestaltung noch forciert wird.

Bei letztgenannten Varianten ist festzu-

stellen, dass der Trend, vom Ausland aus

zu agieren, nach wie vor zunimmt. Gerade

in solchen Fällen ist die Rechtsverfolgung

mit zivilrechtlichen Mitteln nur äußerst

eingeschränkt möglich, weil es an jeglicher

gewerblichen Meldung fehlt und die Ver-

antwortlichen mangels weiterer Recher-

chemöglichkeiten schlichtweg nicht iden-

tifiziert werden können.

Gerade Jungunternehmer und Exis-

tenzgründer sind in hohem Maße gefähr-

det, zumal sie mit erstmaliger Handelsre-

gistereintragung, die dann auch online

erscheint, ohne Vorwarnung mit derarti-

gen Praktiken konfrontiert sind. In diesen

Fällen fehlt die geschäftliche Erfahrung,

die gerne als Maßstab gerade von ermit-

telnden Staatsanwaltschaften herangezo-

gen wird.

Wirksame Abschreckung nur

durch Anklageerhebung

Noch deutlicher wird dies, wenn nicht

nur der originär Gewerbetreibende, son-

dern auch Schulen, Vereine, sogar karita-

tive Einrichtungen – jeweils mit eigener

Rechtsform – mit getarnten Angebotsfor-

mularen überzogen werden. Eine Abschre-

ckung potenzieller Anbieter kann nach

Auffassung des DSWnur dadurch erreicht

werden, dass die obligatorisch vom DSW

eingeschalteten Staatsanwaltschaften nicht

nur die Ermittlungen aufnehmen, son-

dern die Fälle auch zur Anklage bringen.

Nur durch die Verhängung empfindlicher

Freiheitsstrafen können neue Versender

davon abgehalten werden, den Adress-

Bleibt leider Dauerthema: Abzocke durch

Adressbuch- und Anzeigenschwindel