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Auslandsmärkte im Blick

wirtschaft 7/2013

Chancen für den Mittelstand und Entwicklungsländer

Werden Sie Zukunftsentwickler!

Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,

über die Zusammenarbeit seines Ministeriums mit der Wirtschaft und die vielfäl-

tigen Vorteile von Entwicklungspartnerschaften.

Als Entwicklungsminister habe ich seit

Amtsantritt bislang mehr als siebzig Länder

weltweit bereist – von Ägypten bis Peru, von

Myanmar bis Tadschikistan. Es stehen aber

auch immer wieder deutlich weniger exotische

Ziele auf dem Programm: Magdeburg und

Reutlingen, Travemünde und Berlin zum Bei-

spiel. Denn ein wichtiger Teil meiner Arbeit

beginnt gewissermaßen direkt vor der eigenen

Haustür: Die Besuche in den Industrie- und

Handelskammern quer durch die Republik,

unsere Roadshows in der Reihe „wirtschaft.ent-

wickelt.global“.

Ich bin Minister für wirtschaftliche Zusam-

menarbeit und Entwicklung. Es ist mir ein An-

liegen, diesen Namen wieder mit Leben zu fül-

len. Und dafür brauchen wir die deutsche

Wirtschaft.Wenn ich „die deutscheWirtschaft“

sage, dann meine ich ausdrücklich auch all die

kleineren und größeren mittelständischen Fir-

men, für die Entwicklungsländer auf den ersten

Blick eines sicher nicht sind: Märkte nämlich,

in die sich ausgerechnet die mittelständische

Wirtschaft hineinwagen sollte.

Ein großer Irrtum! Zunächst eine eindrucks-

volle Zahl: Weltweit fließen jährlich rund 750

Milliarden US-Dollar an ausländischen Direkt-

investitionen in Entwicklungs- und Schwellen-

länder. Das ist rund das Fünffache dessen, was

alle staatlichen Geber für die Entwicklungszu-

sammenarbeit aufbringen. Eine gewaltige Sum-

me also, die illustriert: Der Einfluss privater In-

vestitionen für die wirtschaftliche und

gesellschaftliche Entwicklung in diesen Län-

dern ist enorm. Wirtschaftliches Wachstum ist

zwingend notwendig, um die Entwicklung in

unseren Partnerländern langfristig und nach-

haltig anzuschieben. Als staatlicher Akteur kön-

nen wir denWeg ebnen und die Rahmenbedin-

gungen verbessern, aber Jobs schaffen, die den

Menschen ein Auskommen sichern, die sie aus

der Armut befreien, das können dauerhaft nur

private Unternehmen.

Deutsche Unternehmen gehören in vielen

Schlüsselbereichen zur absoluten Weltspitze –

in Medizintechnik, Umwelttechnologien oder

erneuerbaren Energien zum Beispiel. Gerade

Mittelständler haben dabei den entscheidenden

Vorteil, dass sie ihre Produkte und Dienstlei-

stungen flexibel an die Bedürfnisse von Ent-

wicklungsländern anpassen können. Noch dazu

bringen deutsche Unternehmen ihre oft weit

höheren Umwelt- und Sozialstandards in die

Kooperationsländer mit. Deswegen versuchen

wir, Sie als Unternehmer und Unternehmerin-

nen für eine Zusammenarbeit mit uns in Ent-

wicklungspartnerschaften zu gewinnen.

Aber was haben Sie als Unternehmen davon,

sich in einem Entwicklungsland zu engagieren?

Blicken wir beispielsweise nach Afrika: Viele

afrikanische Länder haben enorme Fortschritte

gemacht – gesellschaftlich, politisch, wirtschaft-

lich – und warten inzwischen teils mit steilen

Wachstumsraten und sich dynamisch entwi-

ckelnden Märkten auf. Dennoch werden sie

von Investoren und Unternehmern gemieden,

denn viele Firmen schrecken vor dem Schritt in

diese Länder zurück und scheuen das höhere

unternehmerische Risiko. Hier setzen unsere

Angebote an: Mit unseren staatlichen Durch-

führern haben wir jahrzehntelange Erfahrung

in Entwicklungs- und Schwellenländern, wir

sind vor Ort vernetzt und genießen das Vertrau-

en unserer Partner.