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Im Blickpunkt

wirtschaft 6/2013

Kirpal,

chnik GmbH

Wort.

Bundesumweltminister Peter Altmaier

war einer der Hauptreferenten auf dem

2. Ostdeutschen Energieforum.

Die Abschlussdiskussion des Energieforums beschäftigte

sich mit der Frage: „Liegt die Zukunft in der dezentralen

Energieversorgung?“

Handlungsfelder, ebenso wie eine Abkehr

der Länder von Partikularinteressen. Bis Juli

wolle sein Ministerium weitere Eckpunkte

vorlegen. Dabei könnte die feste Einspeise-

vergütung zugunsten eines Zuschlages auf

den Börsenpreis ersetzt werden. Umweltmi-

nister Altmaier ließ durchblicken, dass er

die Strompreisbremse noch nicht für ge-

scheitert hält. Eine Begrenzung der Umlage

könnte Tempo aus dem Ausbau der Erneu-

erbaren Energien nehmen. Im Jahr 2020

könnte sonst die gesamte in Deutschland

installierte Leistung bei rund 230 Gigawatt

(GW) liegen. Angesichts einer Spitzenlast

von 85 und einer Minimallast von 30 GW

wäre das Überangebot an Strom riesig –mit

einer Preisgarantie für EEG-Strom.

Doch weder Altmaier noch Rösler

wollten sich zu einer sofortigen Absenkung

der Stromsteuer bekennen, wie sie zuvor

der Magdeburger IHK-Präsident

Klaus

Olbricht

gefordert hatte. Dieser hatte die

Energiewende mit einem waghalsigen Ma-

növer auf hoher See, ohne Kompass und

Erfahrung, verglichen.

Hartmut Bunsen

,

Präsident der Interessengemeinschaft der

Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin, sagte in seinem Vortrag: „Um

Strom aus regenerativen Energien flächen-

deckend und wirtschaftlich tragfähig zu

nutzen, müssen der Netzausbau sowie die

Entwicklung leistungsfähiger Speichertech-

nologien vorangetrieben werden. Zur Si-

cherung der Versorgung und Grundlast

sind Gas- und Kohlekraftwerke nach wie

vor unverzichtbar.“ Er kritisierte, dass im-

mer noch ein verbindlicher Masterplan zur

Gestaltung des Generationenprojektes

„Energiewende“ fehle.

Carl-Ernst Giesting

, Vorstandsvorsit-

zender des in Mitteldeutschland aktiven

Regionalversorgers enviaM, forderte mehr

europaweite Koordination, einen forcierten

Netzausbau und vor allem die Abkehr von

der „Planwirtschaft des EEG“, wie er es

nannte. „Wir haben in unseremNetzgebiet

regenerative Anlagen ausWind, Sonne und

Biomasse mit 6 300 Megawatt (MW), die

Spitzenlast aber beträgt nur 3 800 MW“,

beklagte Giesting. Wenn alles so weiterge-

he, betrage die installierte Leistung in sie-

ben Jahren 12 700 MW. „Im vergangenen

Jahr mussten wir 100Mal die Netzstabilität

durch Eingriffe sichern“, so der enviaM-

Chef.

Boris Schucht

, Vorsitzender der Ge-

schäftsführung der 50Hertz Transmission

GmbH, will daraus keinen Grund zur Pa-

nik ableiten, räumte aber ein, dass die

Fluktuation und die immer steileren Last-

Gradienten schon eine immense Heraus-

forderung darstellen. In Ostdeutschland

entstehen sehr große Solarparks mit über

130 MW Leistung – mit hohen Schwan-

kungen von inzwischen 1 000 MW Ein-

speisung innerhalb einer Viertelstunde.

Die notwendigen Eingriffe kosten allein

im Netzgebiet von 50 Hertz bis zu 150

Millionen Euro – mit den entsprechenden

Risiken. Am 24. März 2013, berichtete

Schucht, kamen 2 500 MW zusätzlich ins

Übertragungsnetz. Die Leitungen nach

Bayern und von der Uckermark nach Po-

len waren zeitweise überlastet. Das System

blieb sicher, „doch problematisch wird es,

wenn dann irgendwo eine Leitung aus-

fällt“, so Schucht.

Immerhin ist auch im Osten Deutsch-

lands noch eine positive Grundstimmung

für die Energiewende in der Bevölkerung

festzustellen – allerdings nur, wenn die Kos-

ten nicht weiter steigen. EnviaM hat dazu

eine Umfrage bei der Universität Leipzig in

Auftrag gegeben. Danach sank die Akzep-

tanz der Energiewende in den Privathaus-

halten von 2012 zu 2013 von 81 auf 76

Prozent. Bei den Unternehmen im Osten

gibt es hingegen mit nur 47 Prozent deut-

lich schlechtere Werte.

Etwas besser sieht es beim Ausbau der

Netze aus. Die Genehmigungsregelungen

für neue Trassen und der Netzentwick-

lungsplan stehen, sodass künftig neue Lei-

tungen in nur mehr vier Jahren genehmi-

gungsreif sein könnten. Die neue

Höchstspannungstrasse von Mecklenburg

in Richtung Niedersachsen ging imWinter

in Betrieb. Die Südwest-Kuppelleitung

über den Thüringer Wald könnte etwa

2015 durchgängig fertig werden.

Manfred Schulze

Ein Video zum 2. Ostdeutschen

Energieforum finden Sie auf

dem Youtube-Kanal der IHK zu

Leipzig unter

www.youtube.com/ user/ihkzuleipzig