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Spezial: City-Tunnel Leipzig

wirtschaft 6/2013

Am Beginn des 99. Betriebs-

jahres des Leipziger Hauptbahnhofs

wandelt sich die riesige Station, die

Generationen von Schülern und

Scharen von Besuchergruppen nur

als größten Kopfbahnhof Euro-

pas kennenlernten, teilweise zum

Durchgangsbahnhof. Der City-

Tunnel Leipzig und die S-Bahn Mit-

teldeutschland gehören funktional

zusammen; der eine ist ohne die

andere nicht denkbar. Es muss ei-

nen Abschnitt geben, auf dem sich

wie in einer Wespentaille des gesam-

ten Netzes alle zulaufenden Linien

bündeln, um sich anschließend wie-

der in verschiedene Richtungen zu

verzweigen. Dieser Abschnitt liegt

unter dem historischen Leipziger

Stadtzentrum und ermöglicht der

City damit zugleich einen Entwick-

lungssprung ins 21. Jahrhundert.

Die Tunnel-Stationen Hauptbahn-

hof, Markt, Wilhelm-Leuschner-

Platz und Bayerischer Bahnhof sind

mit dem übrigen städtischen Nah-

verkehrssystem direkt verknüpft und

fungieren als neue Zugangstore zur

Innenstadt mit ihren Arbeits- und

Studienplätzen und ihren Einkaufs-

und Freizeitmöglichkeiten. Rund

1 400 Meter Tunnelstrecke in jeder

der beiden Betonröhren und die zu-

gehörigen Rampenabschnitte sum-

mieren sich zu etwa fünf Kilometern

Neubaustrecke, die eine historisch

begründete Lücke im Leipziger Ei-

senbahnnetz und weit darüber hi-

naus auf dem kürzesten Weg, der

radialen Verbindung, schließen.

Die unmittelbare Entstehungsge-

schichte des City-Tunnels deckt die

Amtszeit von vier sächsischen Wirt-

schafts- und Verkehrsministern ab.

Sechs Jahre sind vergangen, seit sich

das Schneidrad der Vortriebsmaschi-

ne am Bayerischen Bahnhof erstmals

in den nicht einfachen Leipziger

Untergrund vorzuarbeiten begann.

Es waren Jahre in einem Kraftfeld

vielfältiger Einflüsse – von verschärf-

ten EU-Sicherheitsvorschriften in

Verkehrstunneln bis zu galoppie-

renden Baustahlpreisen. Das hat den

gesamten Bau verzögert und verteu-

ert. Doch seit nunmehr über zwei

Jahren ist die Zahl fixiert, die auf der

Schlussrechnung unter dem Strich

erscheinen soll: 960 Millionen Euro.

Den Nutzen soll eine weit gefasste

Region haben, die von sechs Linien

zwischen Bitterfeld und Gaschwitz,

Leipziger City-Tunnel schlieSSt historische Lücke im mitteldeutschen Eisenbahnnetz

Auf Schienen das Herz der Stadt erobern

Der 15. Dezember 2013 wird für Leipzig und den gesamten mitteldeutschen Wirtschaftsraum nicht nur einen

neuen Fahrplan bringen, sondern gleich ein völlig neues Nahverkehrsnetz. Stolz schwingt mit in dieser Ankündi-

gung des Sächsischen Staatsministers für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Sven Morlok. Hunderte Fachleute im

Auftrag des Freistaates Sachsen und der Deutschen Bahn sehen das nicht anders, sind im verbleibenden halben

Jahr zunächst aber damit beschäftigt, einen reibungslosen Start der neuen S-Bahn Mitteldeutschland hinzulegen.