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Unternehmen und Märkte

wirtschaft 4/2013

Gesund wirtschaften

Branchentreff in der IHK bringt regionale Akteure

eines breiten Leistungsspektrums zusammen

Gesundheit und Wirtschaft werden erst seit rund anderthalb Jahr-

zehnten in einem Atemzug genannt. Bis dahin gab es regelrecht mora-

lische Bedenken, das humanistische Anliegen der einen Akteure mit

dem Gewinnkalkül der anderen zu verknüpfen. Mehrere Gesundheits-

reformen und einige Krisen der öffentlichen Finanzen später hat sich

das Bild gewandelt: Die Gesundheitswirtschaft ist ein anerkannter

Bestandteil des gesamten Wirtschaftsgefüges, mit einem Anteil von

über zehn Prozent an der sächsischen Bruttowertschöpfung. Es geht

um den Menschen, aber es geht auch um Kosten und Effizienz. Gesund

wirtschaften eben.

Diese Sicht auf komplexe Zusam-

menhänge einer durchökonomisierten

Welt ist zweifellos gewöhnungsbedürf-

tig. Für die IHK zu Leipzig jedoch ein

guter Grund, am 7. März zum Bran-

chentreff Gesundheitswirtschaft einzu-

laden. 50 Teilnehmer aus einem breit

gefächerten Branchengefüge wollten

Genaueres über diesen Bereich wissen,

der vom Kern, der stationären und am-

bulanten Versorgung über die Pharma-

industrie und die Biotechnologie bis

zu Tourismus und Wellness reicht. Ein

Anfang ist also gemacht, selbst wenn

nach den von Dr. Eddy Donat (CIMA

Beratung und Management GmbH)

vorgelegten Zahlen immerhin 1 000 Be-

triebe in der Leipziger Region der Ge-

sundheitswirtschaft im weitesten Sinne

zuzurechnen sind. Sie treffen sich in 15

verschiedenen Netzwerken, allerdings

meist entlang eines klassischen Teilbran-

chenprinzips. Fachlich übergreifende

Verbünde − von der großen Ausnahme

des Vereins zur Förderung der Gesund-

heitswirtschaft abgesehen − sind eher

Mangelware. Doch auf sie käme es an,

erklärt Chris Schürmaier. Sie führt das

gleichnamige Unternehmen als orthopä-

dische Werkstatt und Sanitätsfachhandel

in der dritten Generation. Seit Kurzem

in neuer Umgebung, im Ärztehaus am

Diakonissenkrankenhaus, profitiert das

mittelständische Unternehmen von der

fachlichen und funktionalen Nähe zu

der Klinik.

Brigitte Brück aus dem Amt für Wirt-

schaftsförderung hob den Clustergedan-

ken hervor, der im Leipziger Rathaus

alle strategischen Überlegungen zu den

Perspektiven dieses Wirtschaftsbereichs

durchzieht. Kliniken, Forschungsein-

richtungen und Gerätebauer sollen nä-

her zusammengebracht werden − vom

börsennotierten Gesundheitskonzern

bis zum typischen einheimischen Mit-

telständler. Widerspruch zu diesem ein-

heitlichen Ansatz war nicht zu erwarten,

doch zwischen der Großstadt und ihrem

Umland bestehen beträchtliche Unter-

schiede. Im Personalbereich fallen sie

sofort auf. Während die Pflegedienste

auf dem Land die Personalknappheit bei

gleichzeitig wachsenden Anforderungen

im Zuge des demografischen Wandels zu

spüren bekommen, sieht es in der Stadt

Leipzig (noch) vergleichsweise günstig

aus, vor allem in den größeren Einrich-

tungen. Auf die angebotenen Lehrstellen

zum Beispiel im St. Elisabeth-Kranken-

haus melden sich weiterhin genügend

junge Leute, berichtete Dr. Rochus

Bensch, Personalreferent der Klinik. Auf

einem anderen Blatt stehe allerdings, ob

die frisch ausgebildeten Berufsanfän-

ger ihrem Fach lange treu bleiben, und

damit nähert sich das Personalproblem

via Sozialkompetenz quasi durch die

Hintertür. Wer meint, dass Berufsethos

etwas Altbackenes ist, wird spätestens in

solchen Momenten von der Wirklich-

keit eingeholt.