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Titelthema

wirtschaft 4/2013

• Obwohl die Wirtschaftsleistung in

Sachsen seit 1990 deutlich anstieg, ist

der Endenergieverbrauch der sächsischen

Wirtschaft gesunken. Ursache dafür ist

eine kontinuierliche Verbesserung der

Energieeffizienz durch den Ersatz alter

Produktionslinien und -anlagen.

• Im europäischen Vergleich sieht sich

die deutsche Industrie mit den fünft-

höchsten Strompreisen konfrontiert.

Die sächsischen Gewerbe- und Indus-

triestrompreise sind die vierthöchsten in

Europa.

• Für Gewerbekunden wird bei einem

Jahresstrombedarf von 20 MWh gegen-

über 2012 eine Steigerung der Brutto-

Strompreise um 26 Prozent auf 26,1

Cent/kWh im Jahr 2020 prognostiziert.

Für mittelständische Industriekunden

mit einem Verbrauch von 500 MWh ist

bis 2020 ein Preisanstieg um 32,3 Pro-

zent auf 17,5 Cent/kWh zu erwarten.

Für die energieintensive Industrie ergibt

sich ein kalkulierter Anstieg der Strom-

preise um 13,0 Prozent auf 7,5 Cent/

kWh.

• Die marktbezogenen Strompreis-Be-

standteile sind seit 2009 kontinuierlich

gesunken. Zugleich haben sich die staat-

lich induzierten Strompreisbestandteile

je nach Verbrauchergruppe auf 24 bis

38 Prozent erhöht. Bezogen auf das Jahr

2008, nahmen die staatlich induzierten

Strompreisbestandteile damit um rund

150 bis 220 Prozent zu.

• Die Förderung regenerativer Ener-

gien, die dem Grunde nach auch nicht

infrage steht, ist aktuell die Hauptur-

sache für den Preisanstieg. Ohne eine

Veränderung der derzeitigen Rahmen-

bedingungen wird die EEG-Umlage al-

lerdings auf etwa 7 Cent/kWh bis zum

Jahr 2020 ansteigen.

• Ausgehend von den Annahmen zur

Entwicklung von Investitionen und

Stromverbrauch werden sich die Netz-

nutzungsentgelte bis 2020 in Deutsch-

land um 0,45 Cent/kWh und in Sachsen

um 0,41 Cent/kWh erhöhen. Aktuell

liegen die Netzentgelte in Sachsen be-

reits über dem Bundesdurchschnitt.

Dieser Abstand wird sich folglich nicht

wesentlich verringern, wenn kein ande-

rer Umlagemaßstab für die Netzkosten

zur Anwendung kommt.

• Die deutlich über dem europäischen

Durchschnitt liegenden Energiepreise

setzen negative Signale für Investitions-

entscheidungen der sächsischen Unter-

nehmen.

• Jedes dritte befragte Unternehmen

sieht seine Wettbewerbsposition infolge

von Energiepreissteigerungen gefährdet.

Jedes zehnte denkt sogar über eine Pro-

duktionsverlagerung ins Ausland nach.

Besonders bei den Unternehmen des

Produzierenden Gewerbes ist die Sor-

ge groß, im europäischen Wettbewerb

nicht bestehen zu können.

• Obwohl 64 Prozent der befragten Un-

ternehmen die Neuverhandlung und

Optimierung der Bezugskonditionen

für wichtig halten, um auf steigende

Energiepreise zu reagieren, haben in den

Studie: Energiesituation der sächsischen Wirtschaft

Energiepolitische Forderungen

der sächsischen Industrie- und

Handelskammern

kurzfristig:

• Stromsteuer spürbar senken

• Netznutzungsentgelte bundesweit

gleichmäßig umlegen

• transparente und konsistente

Strompreissystematik schaffen

• alternative Wege zur Reform der

EEG-Förderung prüfen (z. B.

Quotenmodell, steuerbasiertes

Umlagesystem)

• Entlastungsregelungen für stromin-

tensive Wirtschaft zielgenauer

gestalten

• Regeln zur Strompreisentlastung von

KMU optimieren

• notwendige Investitionen in

Netzausbau und Speicher umsetzen

• betriebliche Energieeffizienz

unterstützen

• Energieforschung stärken

mittelfristig:

• neues Modell zur Markt- und

Systemintegration der erneuerbaren

Energien umsetzen

Jedes dritte Unternehmen sieht in

steigenden Energiepreisen Gefahr

für Wettbewerbsposition

Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf die Ener-

giepreise und die Versorgungssicherheit der gewerblichen

Wirtschaft in Sachsen? Um Antworten auf diese Frage zu

finden, erarbeitete das Leipziger Institut für Energie GmbH

im Auftrag der Industrie- und Handelskammern im Freistaat

die Studie „Energiesituation der sächsischen Wirtschaft“.

Eingeflossen sind darin auch die Ergebnisse einer Befra-

gung unter 5 850 IHK-Mitgliedsunternehmen. Nachfolgend

die wichtigsten Ergebnisse im Überblick: