Kammergeschichte(n) - 150 Jahre IHK für Sachsen - page 95

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IRMENPORTRÄT
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NION
AG
lich und trug bis Ende der dreißiger Jahre auch die Hauptlast am Entwicklungs- und Ver-
suchsprogrammder Auto Union AG. Angegliedert war demWerk die Automobil-Rennsport-
abteilung. Vor Kriegsbeginn beschäftigte das Horch-Werk rund 6.700 Arbeiter und Ange-
stellte und war seit 1934 Schwerpunkt für die Wehrmachtsfertigungen der Auto Union AG.
Das Werk Siegmar wurde zum Zentrum der Konzernplanungen ausgebaut. Die Fabrikation
der Wanderer-Automobile, im von den Wanderer-Werken gepachteten Gebäuden war als
Provisorium gedacht. Planmäßig sollte das Werk nach Ablauf des zehnjährigen Pachtver-
trages an die Wanderer-Werke AG übergeben werden und die Wanderer-Automobilferti-
gung auf ein neues Hauptwerk der Auto Union AG in Chemnitz übergehen. Bis Mitte der
dreißiger Jahre gab es Überlegungen, das Siegmarer Werk nach Ablauf des Pachtvertrages
zu kaufen und zum neuen Auto Union AG-Hauptwerk auszubauen. Der Verwaltungssitz
der Auto Union AG befand sich zunächst in Zschopau bei der DKW-Verwaltung. Nach Kauf
des ehemaligen Presto-Werks und umfassendem Umbau wurde die Hauptverwaltung im
Juni 1936 offiziell in Chemnitz eingeweiht. Die Zulieferer der Auto Union AG kamen in der
ersten Hälfte der dreißiger Jahre vorwiegend aus Sachsen. Dazu zählten DKK Scharfen-
stein, die Metallwerke Zöblitz AG, die Framo-Werke Hainichen, der Karosseriebauer Gläser
in Dresden, die Leipziger Kugellagerfabriken und Eisengießereien sowie die Sächsischen
Gußstahlwerke in Freital. Allein für das Geschäftsjahr 1936/37 verzeichnete das Unterneh-
men mehr als 500 Zulieferbetriebe mit einemGesamtumsatz von 45 Millionen Reichsmark.
Der Anteil außersächsischer Lieferenten nahm in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre
und während des Zweiten Weltkrieges stetig zu, waren doch die Kapazitäten der sächsi-
schen Zulieferer begrenzt.
Der Zweite Weltkrieg wirkte sich nachhaltig auf das Unternehmen aus. Nach 1940 vollzog
die Auto Union AG den Wandel zum Rüstungskonzern. So produzierte das Zschopauer
DKW-Werk ab Mai 1940 ausschließlich Motorrad- und Stationärmotoren für die Wehr-
macht sowie Militär-Motorräder. Im Zwickauer Audi-Werk erfolgte unter anderem die Her-
stellung von Flakgeschützen und die Endmontage des Steyr-LKW Typ 1500. ImWerk Horch
liefen die Auto Union-Kübelwagen, Torpedos, Panzermotoren sowie Hanomag- und Steyr-
Panzerfahrzeuge vom Band. Im Werk Siegmar fand etwa die Fertigung von Heeres-LKW
sowie von Torpedos, Maschinengewehren, Geschützen und Panzerfahrzeugen statt.
Nach 1945
Zum Kriegsende imMai 1945 befanden sich die Werke in verschiedenen Besatzungszonen,
waren teilweise besetzt, ausgeplündert und von Schutt und Trümmern übersät. Der neue
Technische Ausschuss legte am 19. Mai ein Konzept für ein zukünftiges Produktionspro-
gramm vor. Die Konzentration lag auf dem Kleinwagen-, Einbaumotoren- und Motorrad-
bau der Marke DKW und dem Nutzfahrzeugbau. Die Marken Wanderer, Horch und Audi
sollten eingestellt werden. Mit der Beschlagnahme und Demontage der Auto Union AG-
Werke im Juni 1945 endeten alle Überlegungen. Über neunzig Prozent der Maschinen und
Einrichtungen wurden abgebaut. Dem Volksentscheid vom 30. Juni 1946 zur »entschädi-
gungslosen Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher« folgte nach treuhänderischer
Verwaltung durch die Sächsischen Aufbauwerke GmbH die Löschung der Firma im Han-
delsregister Chemnitz am 17. August 1948.
Anett Polig
Auto-Union-Aktie von 1932
1...,85,86,87,88,89,90,91,92,93,94 96,97,98,99,100,101,102,103,104,105,...204
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